Nibelungen-Festspiele

Große Namen, großes Theater, große Emotionen

› Bereits das ganze Jahr über ist die große Urerzählung von den Nibelungen in den Namen von Geschäften und Straßen in der Stadt präsent. Doch dann, immer im Sommer, beginnt die alte Geschichte für gut zwei Wochen neu zu leben: Seit 2002 laden die Wormser Nibelungen-Festspiele vor einer der beeindruckendsten Festspielkulissen Deutschlands zum großen Drama. Im Herzen der Stadt, direkt vor dem romanischen Dom Sankt Peter, wird nicht nur eine Tribüne für rund 1.300 Zuschauer, sondern gleich ein ganzes Theater unter freiem Himmel errichtet, um dort mit jährlichen Uraufführungen und großer Besetzung den unerschöpflichen Nibelungenstoff aus heutiger Sicht neu zu erzählen. Prominente Schauspieler wie Uwe Ochsenknecht, Catrin Striebeck, Vladimir Burlakov, Josef Ostendorf, Dominic Raacke oder zuletzt Ursula Strauss, Bruno Cathomas und Jürgen Prochnow haben hier in den letzten Jahren unter der Intendanz des bekannten Film- und Fernsehproduzenten Nico Hofmann auf der Bühne gestanden.

Der Park als Theaterfoyer
Jeden Abend, bei Einbruch der Dämmerung bis in die Nacht, vermischen sich dann — mit dem großartigen Dom als gigantischer Kulisse und Bühnenbild — Historie, Gegenwart und Mythos zu einer besonderen inhaltlichen und emotionalen Atmosphäre, wie sie nur in einer Stadt entstehen kann, die einen mit ihrer ganzen Geschichte willkommen heißt. Und mit ihrer Gastfreundschaft. Denn zu den Nibelungen-Festspielen gehört ein kleiner Park mit einem Schlösschen in unmittelbarer Domnachbarschaft. Der Park dient als wohl schönstes Theaterfoyer Deutschlands, als Ort für Gastronomie und als Zentrum für die Sommerbegegnungen nicht nur der Festspielbesucher.

„Überwältigung“
Und während die Erinnerung an den letzten Sommer noch frisch ist, in dem der Regisseur Roger Vontobel mit seiner Inszenierung von Feridun Zaimoglus und Günter Senkels Fortschreibung des Nibelungenstoffes „Siegfrieds Erben“ Zuschauer und Presse zu Begeisterungsstürmen hinriss und für nahezu ausverkaufte Festspiele sorgte, läuft die Vorbereitung für die kommende Saison bereits auf Hochtouren: Thomas Melle, mehrfach ausgezeichneter Dramatiker und mit seinem Roman „Die Welt im Rücken“, der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand, auch als Prosaautor ein bekannter Name, schreibt das neue Uraufführungsstück. Auch sein Stück „Überwältigung“ erzählt die Nibelungengeschichte wieder neu, diesmal unter der herausfordernden Frage, was der Mensch tun muss, um endlich sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Regie führt Lilja Rupprecht, die, wenn sie nicht gerade in Worms arbeitet, an den großen Häusern wie dem Deutschen Theater, der Schaubühne in Berlin oder dem Staatstheater Stuttgart zu Hause ist.

Der große Mythos wird also auch 2019 die Stadt beleben und verändern. Nur eines wird wie immer bleiben: Über all dem Spektakel wacht auch im kommenden Sommer wieder geduldig und seit nunmehr 1000 Jahren unerschütterlich der Wormser Dom. ‹


Text — Thomas Laue
Bildnachweis:
David Baltzer

Nibelungen-Festspiele

Mit Thomas Melle schreibt einer der gefragtesten deutschen Theaterautoren die Uraufführung für die Wormser Nibelungen-Festspiele 2019 unter der Intendanz von Nico Hofmann. In seinem Stück „Überwältigung“ erzählt der Dramatiker den Nibelungenstoff neu und fragt dabei, ob die Geschichte nicht auch ganz anders, besser ausgehen könnte. Das Schicksal wird auf den Prüfstand gestellt. Die Regisseurin Lilja Rupprecht, deren Inszenierungen derzeit an den großen deutschen Theaterhäusern zu sehen sind, wird Regie auf der Nordseite des Wormser Doms führen.
TerminFR 12. bis SO 28. Juli 2019
AdresseNibelungen-Festspiele Worms // Von-Steuben-Straße 5 // 67549 Worms
SpielorteKaiserdom, Worms
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