Museen Worms

Kleines Wagner-ABC

› „Wieso, weshalb, warum — wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Spätestens seit der Sesamstraße ist uns allen klar, dass Wissen nur über Nachfragen funktioniert. Die Hörtour, die das Nibelungenmuseum in Worms eigens für Kinder und Familien konzipiert hat, geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie wirft Fragen auf, die die jungen Besucher*innen vielleicht noch gar nicht gestellt haben. So lernen sie zum Beispiel, dass eine kurze wiederkehrende Melodie als Motiv bezeichnet wird. „Wagner hat viel mit solchen Motiven gearbeitet“, informiert eine weibliche Stimme, die der bekannten Schauspielerin und Synchronsprecherin Harriet Kracht gehört. Ein Hörbeispiel zeigt dazu, wie das tiefe Raunen von Hörnern im Laufe der Oper immer wieder auf das im Fluss versenkte Rheingold verweist. „Uns war wichtig, dass wir die Informationen kindgerecht aufarbeiten und sie leicht zugänglich präsentieren“, erläutert Kuratorin Ulrike Standke das Konzept.

Der Feuergott mit Converse-Sneakers

Mit einem Tablet und Kopfhörern ausgestattet, streifen die Kinder durch das Museum, das seit 2001 in einem Abschnitt der stauferzeitlichen Wormser Stadtmauer untergebracht ist, und erhalten interessante Informationen, nicht nur zum Opernzyklus selbst, sondern auch zur Ring-Inszenierung von Achim Freyer. Der berühmte, inzwischen 86 Jahre alte Theatermann und bildende Künstler brachte alle Teile von Wagners Hauptwerk zwischen 2011 und 2013 auf die Bühne des Mannheimer Nationaltheaters. Eine Besonderheit dieser Regiearbeit waren die Requisiten, Puppen und Masken, die er für diese Inszenierung selbst entwickelte. Sie sind so beeindruckend, dass sich das Nibelungenmuseum schon vor sechs Jahren dazu entschied, diese in seinen Räumen zu präsentieren. Heute stehen sie hinter Vitrinenglas und lenken die Blicke der Besucher*innen auf sich: die finstere schwarz-weiße Wotan-Puppe, die roten Converse-Sneakers des Feuergottes Loge, Siegfried als Clown oder die leuchtende weiße Hand der Macht.

Blick hinter die Kulissen

Freyers märchenhafte Bildwelten machen den Besuch der Ausstellung seit September auch für Kinder zu einem faszinierenden Erlebnis. Eine App, die auf die Tablets geladen ist, liefert dazu passende Informationen. Auf ihr wird zum Beispiel ein Ausschnitt aus einem Interview mit dem Regisseur eingespielt: Freyer erklärt, warum er anstelle eines kleinen Fingerrings eine große zupackende Hand als Requisite einsetzte: „ … und es kann noch so sehr leuchten an der Hand — für die große Bühne: langweilig!“ Gleichzeitig können die Kinder sich auf dem Bildschirm eine Zeichnung dazu ansehen, die Freyer selbst angefertigt hat. Anhand dieser und weiterer Skizzen blicken die Kinder und Familien hinter die Kulissen und erfahren viel über den Entstehungsprozess der Inszenierung im Besonderen und die Arbeit am Theater im Allgemeinen.

Während der einstündigen Audioführung geht es auch um die Handlung und die Charaktere des Ring-Mythos. Danach ist Entspannung in Wagners Klanguniversum angesagt. Die Kinder nehmen auf leuchtenden Podesten Platz und können zwischen verschiedenen Musikstücken wählen, die beispielhaft für die Liebe oder die Gier nach Reichtum und Macht stehen. Ein starker Soundtrack. ‹


Kindertour im Nibelungenmuseum
Nibelungenmuseum, Worms
Dienstag bis Freitag 10–17 Uhr, Samstag, Sonntag & Feiertage 10–18 Uhr
www.nibelungenmuseum.de
Bildnachweis:
Foto: Stefan Blume

Museen Worms

Die Wormser Museen erinnern an die große Geschichte der Stadt: Das Nibelungenmuseum inszeniert den alten Mythos von seinen Anfängen bis in die Gegenwart. Das Museum der Stadt im Andreasstift und das Jüdische Museum widmen sich der bewegten Wormser Vergangenheit. Und mit einer besonderen Kunstsammlung zeichnet sich das Museum Heylshof aus.
AdresseMuseum der Stadt Worms // Andreasstift // Weckerlingplatz 7 // 67547 Worms
ÖffnungszeitenDienstag bis Sonntag 10–18 Uhr
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