Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

100 Jahre mit Musik im Gepäck

› Im September 1919, als der Erste Weltkrieg noch seinen Schatten über Europa warf, kamen engagierte Bürger in Landau zusammen, um ein reisendes Landes-Sinfonieorchester ins Leben zu rufen. Gesagt, getan: Am 15. Februar 1920 fand das Gründungskonzert in der Landauer Festhalle statt, danach brach das Orchester zu einer ersten Konzertreise durch die Pfalz und das Saarland auf. Damit begann die Geschichte der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

Schon die Anfänge zeigen — die Staatsphilharmonie ist tief in der Region verwurzelt und ging aus dem direkten Bedürfnis der Bürgerschaft hervor, klassische Musik in ihren Alltag zu holen. Der neue Chefdirigent Michael Francis versteht das als Botschaft für die Gegenwart: „Für mich steht das Jubiläum für den Wiederaufbau einer zivilen Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg. Dass man sich unmittelbar nach der Katastrophe dazu entschieden hat, ein Orchester zu gründen, ist bemerkenswert. Den 100. Geburtstag der Staatsphilharmonie sehe ich daher auch als bewusste Entscheidung für ein friedliches Miteinander.“

Kleine Alltagsfluchten

Bereits in den ersten Jahren erregte das Orchester unter der Leitung von Richard Strauss und Hermann Abendroth überregionale Aufmerksamkeit. Chefdirigenten wie Christoph Eschenbach und Leif Segerstam, heute Ehrendirigent, verhalfen dem Klangkörper zu internationaler Beachtung. 100 Jahre nach Gründung ist die Staatsphilharmonie nicht nur aus der Kulturszene der Region nicht mehr wegzudenken, sondern hat sich auch international mit Auftritten in aller Welt einen Namen gemacht. Ein Kollektiv aus 87 hervorragenden Musikerinnen und Musikern aus 16 Nationen erfüllt Meisterwerke stets mit neuem Leben.

„Für mich ist es besonders, dass dieses Orchester immer wieder Momente der absoluten Schönheit schenkt. Das Leben braucht solche Fluchten. Heutzutage vielleicht sogar mehr denn je“, ist Intendant Beat Fehlmann überzeugt. Für ihn sind die Künstler Geheimnisträger: „Ihre Vision entführt uns für einen kurzen Moment aus dem Alltag und lässt uns in andere Sphären eintauchen. In einer Welt, in der nahezu alle Dinge erklärbar sind, gibt es kaum etwas Kostbareres“, sagt Fehlmann.
  • Neues Führungs-Duo – Intendant Beat Fehlmann und Chefdirigent Michael Francis freuen sich auf die neue Spielzeit. (Foto: Felix Brode)
Unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Michael Francis findet das Jubiläumskonzert am 15. Februar 2020 in der Gründungsstadt Landau statt — auf den Tag genau 100 Jahre nach dem ersten Konzert des Orchesters. Reiselust und Aufbruch prägen die Staatsphilharmonie seit jeher. Musik zu den Menschen zu bringen, bedeutet für das Ensemble nicht nur vor Ort zu sein, sondern die Zuhörer unmittelbar zu erreichen. In der neuen Spielzeit soll dieses Versprechen auch mit einem besonderen Format eingelöst werden.

Neues Format

Getreu dem Motto „Man hört nur, was man weiß“, verspricht das neue Konzept der Philharmonischen Konzerte zum besonderen Erlebnis zu werden: Gespielt wird ein einziges Werk, das in der ersten Konzerthälfte erklärt wird. Mit Live-Hörbeispielen vom Orchester und einer Einführung durch den Dirigenten, die schon Teil des Konzerts ist. Nach der Pause erklingt das Werk als Ganzes. Gespielt werden „Don Quixote“ von Richard Strauss, Hector Berlioz’ „Symphonie fantastique“, Michael Daughertys „Metropolis Symphony“ sowie Beethovens neunte Sinfonie. „Die ausgesuchten Stücke stellen eine Synthese aus mehreren Künsten dar. Zum Beispiel der Gesang in Beethovens Neunter oder die Verflechtung zwischen Musik und Comic in Daughertys ‚Metropolis Symphony‘“, erklärt Chefdirigent Francis. „Mich begeistert, dass die Werke mehrere Sinne ansprechen und so viele Geschichten erzählen. Ich bin gespannt, wie unser Publikum auf diese neue Reihe reagiert — viele der Werke sind selten in regulären Abokonzerten zu hören.“

Modern Times und Musikfest Speyer

Im Rahmen der Mannheimer Meisterkonzerte steht in der Jubiläumssaison die ganze Bandbreite sinfonischer Musik auf dem Programm. Von Beethovens „Pastorale“ bis zu Bob Mintzers jazzigem Konzert für vier Saxofone sind unterschiedlichste Stile vertreten. Vielfältige Bezüge und Werke mehrerer Epochen werden vereint, um Altes und Neues, Bekanntes und Unbekanntes erlebbar zu machen. Neben den Abonnementkonzerten werden die Festivals Modern Times und das Musikfest Speyer weitergeführt. Sonderprojekte laden dazu ein, neue Räume für die klassische Musik zu erschließen: Mit „Final Fantasy“ veranstaltet die Staatsphilharmonie ein Computerspielekonzert im BASF-Feierabendhaus. Mit jeder Menge musikalischer Highlights im Gepäck, das steht fest, schreibt die Staatsphilharmonie ihre Tradition in der Jubiläumssaison weiter. ‹
Bildnachweis:
Anika Janacek (Aufmacher Trafohäuschen), Ulrich Oberst (Orchester, Musikfest Speyer)

Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ist das größte und bedeutendste Orchester des Bundeslandes. Seinen Sitz hat es in Ludwigshafen und gehört zu den vielseitigsten Sinfonieorchestern der Metropolregion Rhein-Neckar mit einer großen Bandbreite, die von Sinfonik über Musiktheater bis hin zu Filmmusik reicht. Mit ihrem Programm von 110 Konzerten an 20 verschiedenen Spielorten und mit fast 90 Künstlern aus aller Welt erreicht die Staatsphilharmonie Menschen jeden Alters zwischen Mainz und Karlsruhe, zwischen Heidelberg und Trier. Die hervorragende künstlerische Qualität des Orchesters beweisen unter anderem auch die zahlreichen Auszeichnungen. So wurde die Staatsphilharmonie 2015 mit dem ECHO Klassik in der Kategorie „Orchester des Jahres” ausgezeichnet, ihr Konzertangebot wurde zudem in der Saison 2016/2017 vom Deutschen Musikverleger-Verband als „Bestes Konzertprogramm“ prämiert.
AdresseDeutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz // Heinigstraße 40 // 67059 Ludwigshafen
Telefon: 0621 59909-0, E-Mail: info@staatsphilharmonie.de
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    Philharmonisches Konzert und Jubiläums­konzert „Paradies“
    Richard Strauss’ Tod und Verklärung präsentiert das Jenseits als Erfüllung des Lebens. Wenn das Schicksal an die Tür pocht, heißt das in der Regel nichts Gutes. Der Beginn von Beethovens fünfter Sinfonie klingt entsprechend bedrohlich. Doch endet sie mit einem strahlenden Freiheitsmarsch. Dass man dem Himmel auch auf Erden nahe sein kann, lassen die Vogelstimmen in Olivier Messiaens Zion Park er­ahnen – das Paradies ist manchmal nur eine Frage der Perspektive.
    15. Februar 2020, 20 Uhr, Jugendstil-Festhalle, Landau & 16. Februar 2020, 19.30 Uhr, ­Pfalzbau, Ludwigshafen
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    Philharmonisches Konzert „Hirngespinst“
    Ritter Don Quixote und sein Knappe Sancho Pansa stürzen sich von einem Abenteuer ins nächste und merken nicht, dass ihre Heldentaten Hirngespinste sind. Die fantastische Romanvorlage von Cervantes zog zahlreiche Komponisten in ihren Bann. Strauss komponierte seine Interpretation der Heldenreise 1897. Herrlich fein instrumentiert treten Don Quixote (Violoncello) und Knappe Sancho Pansa (Viola) in den Dialog miteinander und mit der Welt, von der sie sich immer weiter entfremden.
    30. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Pfalzbau, ­Ludwigshafen
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    Meisterkonzert „Ping Pong“
    Wie in einem Videospiel treibt der Solist das Or­ches­ter in Switch an. Andrew Norman stellt das Schlagwerk den einzelnen Orchestergruppen gegenüber und eröffnet ein energiegeladenes Pingpong Match auf der Konzertbühne. Prokofjews ­fünfte ­Sinfonie aus dem Kriegsjahr 1944 verliert nach dem sportiven Schlagabtausch nicht an Intensität. Trotz eigenwilliger Harmonik und vielen Farbwechseln klingt sein Lied auf den freien und glücklichen Menschen milde und versöhnlich.
    09. November 2019, 19.30 Uhr, Rosengarten, Mannheim
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