Festspiele Ludwigshafen

Tanz! So leicht wie Luft

› In dieser Festspiel-Saison arbeitet Nanine Linning weiter an einer besonderen Handschrift. Die Stärke des Tanzprogramms 2018 waren die herausragende Qualität der Ensembles und die stilistische Vielfalt des Programms. Diese Kriterien haben bei der Auswahl der Stücke wieder eine wichtige Rolle gespielt. „Wir wollen den vielen erstklassigen Tänzerinnen und Tänzern, die dieser faszinierenden Kunst ihre Kraft und ihr Gesicht geben, eine Referenz erweisen“, betont Linning. Die unterschiedlichen Formate sollen ein breites Publikum erreichen, das sich für Tanz begeistern kann. Ein Highlight verspricht die Produktion „Sutra“ von Sidi Larbi Cherkaoui, die er mit 20 Shaolin-Mönchen erarbeitet hat und die von der Kampfkunst der Mönche inspiriert ist. Mit dem Israel Ballet kommt gleich zum Auftakt ein neoklassisches Spitzenensemble mit 30 internationalen Tänzerinnen und Tänzern, das hierzulande bisher wenig präsent ist. Deren Choreografien „Black Swan“ und „Nova Carmen“ interpretieren die beiden Klassiker neu.

Der Traum aller Tänzer

Das Gastspiel der Compagnie Käfig verspricht ebenfalls spektakuläre Bilder. Die Gruppe ist in der Pariser Banlieue zu Hause und gehört zu den 19 nationalen Choreografie-Zentren in Frankreich. Ihr Leiter, Mourad Merzouki, gilt als einer der Hip-Hop-Vordenker in Europa. Bei „Vertikal“ (Foto) hängen die Tänzer an Seilen und wirken so leicht wie Luft — ein Traum aller Tänzer. „Ich bin neugierig auf die Zusammenarbeit mit Vertretern unterschiedlicher stilistischer Herkunft“, erklärt Linning.

Im vergangenen Jahr begeisterte das Scapino Ballet aus Rotterdam das Ludwigshafener Publikum. Jetzt kehrt es zurück mit zwei Arbeiten des inzwischen 62 Jahre alten Ed Wubbe, der das Ensemble seit 1992 leitet. „Chat Noir“ ist eine Hommage an das Kabarett am Montmartre, wo sich im 19. Jahrhundert Künstler, Sänger, Schriftsteller und Schauspieler trafen. Mit „Holland“ hat Wubbe hingegen eine Liebeserklärung an seine Heimat geschaffen.

Ein Leben im All

Gespannt darf man auf das Stück „Omphalos“ sein. Der Belgier Damien Jalet, ein Shootingstar des zeitgenössischen Tanzes, hat es mit der mexikanischen Truppe Ceprodac produziert. Die Tänzer bewegen sich auf einer riesigen Satellitenschüssel und sinnieren über ein Leben im All. „Dökk“, Isländisch für Dunkelheit, hat das Kollektiv Fuse* aus Modena sein Projekt getauft. Es verbindet Kunst und Wissenschaft und nutzt Algorithmen in Echtzeit. Weitere Gäste sind die São Paulo Dance Company, unter anderem mit einer Arbeit von Marco Goecke, sowie das Ballet of Difference am Schauspiel Köln, für das Chefchoreograf Richard Siegal mit „New Ocean“ erstmals ein abendfüllendes Ballett erarbeitet hat.

Doch was reizt eine so erfolgreiche Choreografin wie Nanine Linning, als Festival-Kuratorin hinter die Kulissen zu schlüpfen? „Das Spannende ist, mit vielen internationalen Kollegen ins Gespräch über Inhalte und Arbeitsweisen zu kommen“, findet sie. Wie im Vorjahr organisiert sie daher auch dieses Mal Publikumsgespräche mit Choreografen und Ensemblemitgliedern. „Das Interesse war überragend“, erinnert sich die Künstlerin. „Ich freue mich schon auf viele neue, anregende Gespräche.“ ‹
Bildnachweis:
Laurent Philippe

Festspiele Ludwigshafen

TerminFR 18. Oktober bis SA 14. Dezember 2019
AdressePfalzbau Bühnen // Berliner Straße 30 // 67059 Ludwigshafen // Kartentelefon: 0621 5042558 // E-Mail: pfalzbau.theaterkasse@ludwigshafen.de
SpielortePfalzbau Bühnen
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