Festspiele Ludwigshafen

Sieben auf einen Streich

› „Exzellenz, Innovation und Identität“ — das sind die Maßstäbe, die Nanine Linning aufzählt, wenn es um die Auswahl der Gastspiele geht. Exzellenz, Innovation und Identität sind ziemlich genau auch die Begriffe, mit denen ihr eigenes Werk als Choreografin gerne beschrieben wird. Mit ihren physisch starken Gesamtkunstwerken, bei denen sie mit namhaften Designern, Videokünstlern und Bildhauern kooperiert, hat sie in den sechs Jahren, in denen sie die Heidelberger Tanzsparte geleitet hat, Theatersäle gefüllt und nie gekannte Auslastungsquoten erreicht.

Von Heidelberg nach Ludwigshafen

Jetzt lässt sich dank ihres Eintritts ins Team der Festspiele Ludwigshafen eine neue Seite der Starchoreografin kennenlernen: Nanine Linning als Kuratorin. Immer wieder neue Experten für das Festival zu gewinnen, ist für Festivalleiter Tilman Gersch Selbstverpflichtung. „Es geht mir darum, einen möglichst reichen und vielgestaltigen Blick auf den zeitgenössischen Tanz zu präsentieren“, erläutert der Intendant des Theaters im Pfalzbau. „Wechselnde Kuratoren bringen ihre ästhetischen Vorlieben, ihre Vorstellungen von Qualität ein. Auch das ist ein künstlerischer Beitrag.“

Who’s who der Szene

Sieben Compagnien hat die Niederländerin zu den Festspielen an den Rhein eingeladen — die Gästeliste liest sich wie ein Who’s who der Szene. Gersch beeindruckt, mit welcher Beharrlichkeit Linning dabei zu Werke geht. „Qualität, Eigenwilligkeit und besondere tänzerische Klasse sind ihr wichtig“, betont der Intendant. Kriterien, die das Ballet National aus Marseille auf jeden Fall erfüllt. Seit 2014 leiten die Ausnahmekünstler Emio Greco und Pieter C. Scholten das Ensemble und entwickeln mit ihm ein innovatives Bewegungsvokabular an der Schnittstelle von klassischem und postmodernem Tanz. Ihr „Extremalism“, das zusammen mit einer Bolero-Version den Auftakt des Ludwigshafener Tanzprogramms bildet, beschäftigt sich mit der Frage, wie der Körper sich in extremen Situationen verhält. Auf welche Weise reagiert er auf Hunger, Wohlstand, Stress, Flucht oder Digitalisierung?

Ein Bildmagier, ein Roboter und die Apokalypse

Und auch sonst spannt das Programm einen weiten Bogen: „Scala vom Scapino Ballett Rotterdam ist barock und kulinarisch, Johan Ingers Ballett Carmen aus Basel herrlich verspielt. Eine große suggestive Kraft hat der griechische Bildermagier Dimitris Papaioannou, und Huang Yis Tanz mit dem Roboter Kuka ist ein besonderes Experiment“, berichtet Gersch. Für bedrohliche, düstere und zugleich wunderschöne Szenarien ist der Israeli Hofesh Shechter bekannt. Er präsentiert in Ludwigshafen sein „Grand Finale“, das trotz apokalyptischer Züge einen amüsanten Kern hat.

Zudem haben die Besucher die Möglichkeit, die choreografische Vita der Kuratorin kennenzulernen. Von 2001 bis 2006 arbeitete Nanine Linning als Haus-Choreografin des in Ludwigshafen gastierenden Scapino Ballets. Ihre Produktion über die Bilderwelten von Francis Bacon dagegen ist im vergangenen Jahr in Heidelberg entstanden und wird im Pfalzbau gezeigt. ‹

Tipp! In Sachen Schauspiel steht bei den diesjährigen Festspielen eine Werkschau des Münchener Residenztheaters auf dem Programm. Hintergründe und Infos dazu und zu anderen Highlights finden Sie in der nächsten Ausgabe dieses Magazins!
Bildnachweis:
Rahi Rezvani

Festspiele Ludwigshafen

TerminFR 26. Oktober bis SO 16. Dezember 2018
AdressePfalzbau Bühnen // Berliner Straße 30 // 67059 Ludwigshafen // Kartentelefon: 0621 5042558 // E-Mail: pfalzbau.theaterkasse@ludwigshafen.de
SpielortePfalzbau Bühnen
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