TECHNOSEUM

Auf die Plätze …

Wussten Sie, …

  • Die Turnbewegung machte im frühen 19. Jahrhundert das Turnpferd populär.

… dass die ersten Turnpferde noch Kopf und Schweif hatten?

Reiten stand schon immer auf dem Stundenplan junger männlicher Adliger: Seit der Antike gab es hölzerne Pferde, auf denen der Nachwuchs militärische Reitübungen wie zum Beispiel das Auf- und Absitzen exerzierte. Die Turnbewegung, die im frühen 19. Jahrhundert in Deutschland aufkam, knüpfte an diese Tradition an: Auf dem ersten Turnplatz, den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn in Berlin einrichtete, gab es schon mehrere Turnpferde. Erst im 20. Jahrhundert setzte sich die abstrahierte Form endgültig durch, die bis heute Schülerscharen beim Hallensport zum Schwitzen bringt. Seitdem gehören auch die Griffe zum Turnpferd, die sogenannten „Pauschen“. Mit etwas Fantasie erkennt man in ihnen noch die Sattelwülste von einst.

  • Speere werden seit 1986 so gebaut, dass ihr Schwerpunkt weiter vorne liegt und sie deshalb schneller zu Boden gehen.

… dass Speere extra so gebaut werden, dass sie nicht so weit fliegen können?

Das Speerwerfen ist eine der ältesten Sportarten der Welt — und schon immer wurde an den Eigenschaften des Speers sowie an der Wurftechnik gefeilt, um im Wettkampf bessere Ergebnisse zu erzielen. So experimentierte der Sportler und Ingenieurstudent Franklin „Bud“ Held in den 1950er-Jahren mit der Flugbahn, dem Material und der Dicke der Speere und übertraf 1953 erstmals die 80-Meter-Marke. Drei Jahre später erzielte der Baske Félix Erausquin sogar Würfe von über 100 Metern — dank einer von ihm selbst entwickelten Schleuderwurf-Technik und zuvor sorgfältig eingefetteten Händen, durch die das Wurfgeschoss besonders gut flutschte. Das brachte jedoch das Publikum auf der Tribüne in Gefahr, denn die Stadien waren auf so weite Würfe gar nicht ausgelegt. Als immer mehr Athleten ihre Speere immer weiter warfen, zog der Welt-Leichtathletikverband die Konsequenzen: Seit 1986 werden Speere extra so gebaut, dass ihr Schwerpunkt weiter vorne liegt und sie deshalb schneller zu Boden gehen.

  • Dieses Blumenservice erhielt die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen für den Gewinn der Europameisterschaft im Jahr 1989.

… dass die deutschen Fußball-Europameisterinnen von 1989 kein Preisgeld erhielten?


300.000 Euro Prämie hat jeder von Jogis Jungs 2014 für den Gewinn des WM-Titels vom DFB bekommen. 1990 waren es für Lothar Matthäus & Co. immerhin 64.000 Euro. Und die Frauen? Als sie 1989 die Europameisterschaft gewannen, gab es … ein Porzellan-Service. Bereits damals wurde Kritik an dem überkommenen Rollenverständnis laut, demzufolge man von Verbandsseite die „Heimchen am Herd“ mit einem Haushalts-Geschenk abspeisen wollte. Mit Diskriminierung hatte der Frauenfußball in Deutschland seit jeher zu kämpfen: Noch 1955 verbot der DFB diverse Frauen-Teams mit der Begründung, Frauenfußball sei „unweiblich“ und „unästhetisch“. Erst 1970 wurde er schließlich in der Bundesrepublik zugelassen und 1982 auch die Nationalmannschaft gegründet. Diese hat seitdem acht Mal den EM-Titel geholt — und damit mehr als doppelt so oft wie ihre männlichen Kollegen.

  • Workout 1913: Die von Eugen Sandow entwickelte Griffhandel "Spring Grip Dumb Bell" war ein wahrer Kassenschlager.

… dass der weltweit erste Bodybuilder ein Deutscher war?

Vom schwächlichen Kind zum Fitnessberater des englischen Königs — das Leben von Eugen Sandow ist eine Aufsteigergeschichte par excellence. Als 18-Jähriger kehrte er seiner preußischen Heimat den Rücken, um sich dem Militärdienst zu entziehen, und zog durch Europa. In Italien imponierten ihm die antiken Statuen. Damals glaubte man noch, dass die Physis griechischer und römischer Statuen übertrieben war und es derart muskulöse menschliche Körper gar nicht geben konnte. Sandow bewies das Gegenteil: Er entwickelte ein Gymnastikprogramm, um zielgerichtet bestimmte Muskelgruppen aufzubauen — und gilt damit als Pionier des Kraftsports. Bald beeindruckte er ein immer größeres Publikum mit Shows, bei denen er Menschen und Pferde stemmte. Sandow besaß nicht zuletzt einen guten Riecher fürs Geschäftliche: Für alle Männer, die es Sandow nachtun wollten, richtete er die frühe Form einer Fitnessstudio-Kette ein — und wer wenig Geld hatte, kaufte sich Sandows Ratgeberbücher und -zeitschriften und trainierte zu Hause. Die von Sandow entwickelte „Spring Grip Dumb Bell“, eine Griffhantel für das Krafttraining, verkaufte sich allein im Jahr 1913 eine halbe Million Mal.

  • Der deutsche Schiedsrichter Rudolf Kreitlein erfand anlässlich eines besonders aggressiven Spiels bei der Weltmeisterschaft 1966 die rote und die gelbe Karte, um Verwarnungen auch ohne Worte auszusprechen.

… dass dass ein Stuttgarter die Gelbe und Rote Karte erfand?

Ein Spiel dauert 90 Minuten? Von wegen! Verbindliche Regeln für ein Fußballspiel entwickelten sich erst ab den 1860er-Jahren, zuvor bolzte man einfach drauflos: Dorf gegen Dorf, auf einem offenen Feld, ohne Markierungen, Tore oder Regeln. Heute sind die Spitzenspiele der Branche wahre Hightech-Veranstaltungen, mit Videoanalysen und einer Torlinientechnik, die mehr sieht als der beste Schiedsrichter. Die berühmte Gelbe und Rote Karte hat der Fußball übrigens dem deutschen Schiedsrichter Rudolf Kreitlein zu verdanken: Nach einem besonders aggressiven Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1966, bei dem Kreitlein einen argentinischen Spieler auch aufgrund mangelnder Spanischkenntnisse nur unter Mühen zur Ordnung rufen konnte, kam die Idee auf, farbige Karten einzusetzen. So konnte man Verwarnungen und Platzverweise aussprechen, und zwar klipp und klar und für alle verständlich. Als Vorbild diente die Verkehrsampel. Kreitlein schlug der FIFA dieses System vor, bei der WM 1970 in Mexiko wurde es bereits eingesetzt — und bald auch in andere Sportarten von Handball bis Hockey übernommen.

  • Ratschen wie diese wurden ursprünglich zur Jagd eingesetzt, um das Wild vor sich herzutreiben.

… dass Ratschen ursprünglich zur Jagd eingesetzt wurden?

Heute sorgen sie in den Fankurven für Stimmung und dürfen in keinem Stadion mehr fehlen, doch eigentlich wurden Ratschen konstruiert, um Angst zu schüren: Jäger trieben mit den lauten Geräuschen das Wild vor sich her, Bauern nutzten die Geräte, um Vögel aus ihren Feldern zu verscheuchen, die sich am Saatgut gütlich taten. Doch auch Fußballfans fanden früh Gefallen an den Ratschen, um mit ihnen ihre Teams anzufeuern. Der hier abgebildete Krachmacher stammt aus der Zeit um 1900 und kommt aus England — dem Land, in dem 1888 mit der „Football League“ die weltweit erste professionelle Fußballliga gegründet wurde.

Fertig? Los! Die Geschichte von Sport und Technik
08. November 2018 bis 10. Juni 2019
TECHNOSEUM, Mannheim
täglich 9–17 Uhr
www.technoseum.de
Bildnachweis:
TECHNOSEUM/Klaus Luginsland (Schiedsrichtermappe/Ratsche/Turnpferd/Hanteln); firo sportphoto © Deutsches Fußballmuseum Dortmund (Kaffeeservice); Speerwerfer – Reproduktion aus S. Hermelin und E. Peterson Hg.: „V. Olympiaden i Bild och Ord“, Stockholm 1912

TECHNOSEUM

Das TECHNOSEUM ist eines der großen Technikmuseen in Deutschland. Die Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik vom 18. Jahrhundert bis heute sowie der soziale und wirtschaftliche Wandel, den die Industrialisierung ausgelöst hat, sind Themen der Dauerausstellung. Maschinen werden nicht einfach gezeigt, sondern in Ensembles inszeniert, Vorführtechniker erklären Arbeitsabläufe und beantworten Fragen. Selbst aktiv werden darf man in der Experimentier-Ausstellung „Elementa“: Technische Erfindungen lassen sich hier durch eigenes Ausprobieren nacherleben. Mit Sonderausstellungen zu Themen aus Naturwissenschaften, Technik und Gesellschaft ist das Museum zugleich Forum für aktuelle Debatten. Komplettiert wird das Programm durch Vorträge, Workshops und spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche.
AdresseTECHNOSEUM // Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim // Museumsstr. 1 // 68165 Mannheim // Telefon: 0621 4298-9 // E-Mail: info@technoseum.de
Öffnungszeiten9 bis 17 Uhr täglich
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