Kunsthalle Mannheim

Auf zum Umbruch

Von Juli 2020 an wird sich erneut ein Gerüst durch die Kunsthalle ziehen, diesmal jedoch als Teil einer Ausstellungsarchitektur. In drei Kapiteln wird die Schau „Umbruch“ zu sehen sein, die auch programmatisch ein neues Kapitel einläuten soll. Dabei reicht das Spektrum des Gezeigten von Malerei wiederentdeckter Künstlerinnen der 1920er- und 1930er-Jahre bis hin zu zeitgenössischer Skulptur und Videoarbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler. „Es geht mir um den Umbruch hin zu mehr Diversität“, erklärt Museumsdirektor Johan Holten. „Kunst braucht den Dialog mit der Gesellschaft. Die rasanten gesellschaftlichen Veränderungen, die außerhalb der Kunsthalle passieren, sollen sich auch innerhalb der Institution widerspiegeln.“

Hanna Nagel, Jeanne Mammen und Anita Rée

Den Einstieg bietet eine Sektion zur „Neuen Sachlichkeit“ — durchaus ein Thema mit großer Tradition im Haus am Friedrichsplatz: „Mit dem ersten Schwerpunkt möchte ich rund 100 Jahre nach der berühmten Mannheimer Ausstellung ‚Neue Sachlichkeit‘ einen bislang häufig übersehenen Aspekt zeigen — und zwar dass diese Stilrichtung auch weiblich ist“, erklärt Holten. Drei weibliche Positionen dieser Bewegung stehen so im Mittelpunkt. Gezeigt werden die Selbstporträts und eine Vielzahl von grafischen Werken der Künstlerin Hanna Nagel (1907–1975). Ergänzt werden diese durch Arbeiten der Berliner Künstlerin Jeanne Mammen (1890–1976), die unangepasste Außenseiterexistenzen der 1920er-Jahre festhielt. Dazu gesellen sich die eindringlichen Porträts der Hamburgerin Anita Rée (1885–1933).
  • Einen Schwerpunkt der Schau bilden Werke von Künstlerinnen der Neuen Sachlichkeit. Die Werke von Jeanne Mammen behandeln relevante gesellschaftliche Themen.

    Jeanne Mammen, Ausweg, um 1930,
    Sammlung Maximilian Baron von Koskull
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • Graphikblätter der gebürtigen Heidelberger Künstlerin Hanna Nagel befinden sich seit den 1930er Jahren in der Mannheimer Sammlung.

    Hanna Nagel, Selbstbildnis, 1929,
    Kurpfälzisches Museum Heidelberg, Foto: K. Gattner, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
  • In ihren Selbstbildnissen setzt sich die Hamburger Malerin Anita Rée intensiv mit ihrer eigenen Identität auseinander.

    Anita Rée, Bildnis Hildegard Heise, 1927
    © Hamburger Kunsthalle, Elke Walford
Danach stellt die Schau die Gegenwart in den Fokus: „Im zweiten Kapitel spielen das Medium Video und Performance eine zentrale Rolle und die Idee, Konventionen auf den Kopf zu stellen“, verrät Johan Holten. Präsentiert wird ein Film des französischen Künstlers Clément Cogitore: Zu den Klängen der Barock-Oper „Les Indes Galantes“ tanzen darin Street-Dancer auf der Bühne der Pariser Oper. In „The Republic of T.M.“ verarbeitet der dänisch-irakische Filmemacher Masar Sohail seine migrationsgeprägte Biografie. Die Künstlerin Alexandra Pirici nimmt das Thema der Umbrüche unserer Gegenwart auf, die sie in der Arbeit „Re-Collection“ mit zehn Tänzerinnen und Tänzern visualisiert.

Spektakuläre Installationen

Drei jüngere bildhauerische Positionen bilden das abschließende Kapitel. Die deutsch-türkische Künstlerin Nevin Aladag schafft einen Klangkörper, den man nicht nur sehen, sondern im Rahmen von drei begleitenden Konzerten auch hören kann. Eine weitere spektakuläre Installation stammt von Kaari Upson, deren Leben in einem Vorort von Los Angeles ihre Arbeiten prägt. Die in Peking lebende Künstlerin Hu Xiaoyuan komplettiert diese Positionen mit einer mehrteiligen Skulptur. „Wir erweitern mit eigens für die Ausstellung geschaffenen Werken die berühmte Skulpturensammlung des Museums mit Werken dreier internationaler Künstlerinnen“, berichtet Holten. Nicht zuletzt was die Sammlung der Kunsthalle angeht, wird mit der Schau ein zukunftsträchtiger Umbruch eingeleitet.

Umbruch
17. Juli bis 18. Oktober 2020
Kunsthalle Mannheim
kuma.art
Bildnachweis:
Hu Xiaoyuan, Studio Beijing © Courtesy of the artist, Foto: Qui Xiaofei

Kunsthalle Mannheim

Die Kunsthalle Mannheim zählt mit ihren Spitzenwerken von Edouard Manet bis Francis Bacon und ihrem Skulpturenschwerpunkt zu den renommiertesten Sammlungen von deutscher und internationaler Kunst der Moderne und der Gegenwart. Hochkarätige Sonderschauen internationaler zeitgenössischer Kunst vervollständigen das Ausstellungsprogramm. Gezeigt werden sie im Kerngebäude, dem imposanten, frisch sanierten Jugendstilbau von Hermann Billing aus dem Jahre 1907. Bis 2017 entsteht außerdem ein zukunftsweisender Neubau, der die Ausstellungsfläche um rund 1.300 Quadratmetern erweitert.
AdresseKunsthalle Mannheim // Friedrichplatz 4 // 68165 Mannheim // Tel. 0621 293 6413 // kunsthalle@mannheim.de
ÖffnungszeitenDienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr, 1. Mittwoch im Monat 18-22 Uhr (freier Eintritt)
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