Mannheimer Sommer

Her mit den Abenteuern!

Auf Tauchstation

› Ein Instrument unter Wasser spielen, geht das überhaupt? Für die Künstlergruppe „Between Music“ gehört es mittlerweile zum Alltag. Im Rahmen des „Mannheimer Sommer“ zeigt das dänische Ensemble sein Programm „Aquasonic“ — ein Unterwasser-
Konzert, das Performance und Musik verbindet. Mehr als zehn Jahre arbeiten Laila Skovmand, die künstlerische Leiterin, und ihre Kollegen nun schon an dem Experiment, das die Grenzen des musikalisch Möglichen auslotet.

Das beginnt bereits bei den ungewöhnlichen Instrumenten, mit ihren klangvollen Namen wie Hydraulophon oder Rotacorda. Sie müssen besonders beschaffen sein, damit ihnen unter Wasser Töne entlockt werden können. „Fast alle unsere Instrumente sind eigens dafür konstruiert, unter Wasser gespielt zu werden — hergestellt in Zusammenarbeit mit Instrumentenbauern, Erfindern und Wissenschaftlern“, erzählt der Entwicklungsdirektor Robert Karlsson.
  • mannheimer sommer nationaltheater aquasonic between music
    Foto: Charlotta da Miranda
Um den Klang so gut wie möglich zu formen und ihn reproduzierbar zu machen, werden die Instrumente ständig weiterentwickelt. Denn im Wasser gibt es zahlreiche Faktoren, die den Sound verändern. Luftblasen zum Beispiel. Außerdem haben Wassertemperatur und -qualität Einfluss auf den magischen Klang, der ganz verschiedene Assoziationen zulässt.

Auch die Musiker müssen sich auf die Umstände einstellen, denn unter Wasser spielt es sich selbstredend anders als über Wasser. Zudem entwickelte Skovmand eine neue Gesangstechnik. Um in der ungewohnten Umgebung Musik machen zu können, braucht es nicht nur Kondition und Training, sondern auch ein hohes Maß an Präzision. „Neben der richtigen Atemtechnik ist es wichtig, die eigenen Bewegungen sehr kontrolliert auszuführen“, betont Karlsson. Kleine Abweichungen können große klangliche Unterschiede zur Folge haben.

Fünf Musiker in fünf Aquarien — für die Zuschauer ist „Aquasonic“ schon optisch ein echter Hingucker. Sie bleiben dabei allerdings trocken und müssen nur im übertragenen Sinn in die bizarre, mystische Klangwelt eintauchen. ‹

Aquasonic
15. & 16. Juli 2018,jeweils 20 Uhr
Schloss Schwetzingen, Rokokotheater


Mozart auf dem Dancefloor

› Dancefloor meets Orchestergraben, Arie meets Afrobeats, Opernabend meets Party — kann das funktionieren? Es sind zwei vermeintlich ganz verschiedene Kulturen, die da aufeinanderprallen und etwas völlig Neues entstehen lassen. Genau das hatte auch Wolfgang Amadeus Mozart im Sinn, als er „Die Entführung aus dem Serail“ komponierte und dabei sein abendländisches musikalisches Erbe mit, wie er es nannte, „türckischer Musick“ konfrontierte. Folgerichtig hat sich Regisseur Benedikt von Peter diese Oper vorgenommen, um eine ganz besondere Version von ihr auf die Bühne des „Mannheimer Sommer“ zu bringen.

„Les robots ne connaissent pas le blues“ heißt die Produktion, der Mozarts „Entführung“ als musikalischer und inhaltlicher Ausgangspunkt dient. Von dort wird gemeinsam mit der deutsch-ivorischen Performancegruppe Gintersdorfer/Klaßen das Aufeinandertreffen zweier Kulturen erforscht. Das findet auch der Bass Patrick Zielke spannend: „Es ist interessant, Mozart auseinanderzunehmen, um seine Musik dann mit anderen musikalischen Mitteln neu zusammenzusetzen.“
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    Foto: Knut Klaßen
Zielke hat sowohl die Rolle des Osmin in der klassischen Oper gesungen, als auch beim Projekt mitgewirkt. Der Clash der Kulturen reizt ihn: „Die Menschen in der Elfenbeinküste kennen keine Oper. Während wir über Liebe singen, singen sie über Macht, Politik und Geld. Das war eine sehr spannende Begegnung.“ Die aber auch alle Beteiligten vor Herausforderungen stellte. „Als Opernsänger verlassen wir sicheres Terrain“, erklärt Zielke. „ Das Tanzen ist nicht nur sehr anstrengend. Wir sind es auch nicht gewohnt, uns beim Singen so vollkommen auszupowern.“

Wer neue Perspektiven nicht nur auf Mozarts Oper, sondern auch auf Kunst, Politik und Interkulturalität allgemein bieten will, braucht allerdings auch ein Publikum, das für einen solchen Ansatz offen ist. „Es ist unterschiedlich, wie sehr sich die Leute darauf einlassen“, berichtet Zielke von früheren Aufführungen. „Wenn der Name Mozart auftaucht, erwarten die Menschen, dass dann eben auch Mozart gespielt wird.“ Die ganze Truppe,
so Zielke, sei jedenfalls gespannt darauf, wie die Mannheimer auf dieses Experiment reagieren. Und ob am Ende womöglich der Beweis steht, dass man Oper und Party durchaus zusammenbringen kann. Den Versuch ist es in jedem Fall wert! ‹

Les robots ne connaissent pas le blues oder: Die Entführung aus dem Serail
Musiktheater von und mit Ted Gaier, Gintersdorfer/Klaßen, Benedikt von Peter und Markus Poschner
20. & 21. Juli 2018, jeweils 19.30 Uhr
Nationaltheater Mannheim, Schauspielhaus


Friedrichs Funk

Der Mann hat nicht nur einen rauschenden Bart, sondern auch ein großes Herz für kleine und nicht so kleine Dinge: „Das Radio“, findet Friedrich Liechtenstein, „ist ein bisschen in Vergessenheit geraten.“ Gemeinsam mit seinem Trio und dem Orchester des Nationaltheaters möchte er das ändern und wird das gute alte Medium beim „Mannheimer Sommer“ im Rahmen seiner „Sparkling Love Towers World Tour“ wiederaufleben lassen. Liechtensteins Programm: Eine Mischung aus Konzert, Lesung und Zeremonie. Im Mittelpunkt: Funkwellen — und der Gedanke, dass die terrestrischen Wellen, die Radiostationen ins All aussenden, vielleicht zu den letzten Zeugnissen der Menschheit zählen. Das Publikum darf sich jedenfalls auf eine Live-Radioshow mit Empfängerparty freuen: „Dieses Gespräch im Luftraum über Mannheim wird sehr spannend“, verspricht Zeremonienmeister Liechtenstein.

Friedrich Liechtenstein // NTM Pop: „Sparkling Love Towers World Tour“
13. Juli 2018, 20.30 Uhr
Nationaltheater Mannheim, Opernhaus
Bildnachweis:
Charlotta da Miranda (Aquasonic); Knut Klaßen (Les robots); Tomaso Baldessarini (Liechtenstein)

Mannheimer Sommer

Der Mannheimer Sommer möchte — in Fortsetzung des erfolgreichen „Mannheimer Mozartsommers“ — den Blick noch weiter öffnen möchte auf die Fülle dessen, was die europäische Kultur hervorgebracht hat — und weiterhin hervorbringt!Neben bedeutenden Künstlern und Geheimtipps soll künftig der Nachwuchs stärker vertreten sein. Der Mannheimer Sommer hat deshalb Mozarts »Don Giovanni« in einem internationalen Regiewettbewerb ausgeschrieben — auf den Gewinner aus den fast 50 Einsendungen aus ganz Europa darf man gespannt sein.Gastspiele aus dem erweiterten Musiktheaterbereich ergänzen diese große Eigenproduktion: Performance, Tanz, Neue Musik, inszenierte Konzerte. Unterschiedliche Stile sind gefragt: vom klassischen Lied über Weltmusik bis zum Pop kann alles zur Grundlage für neuartige Musiktheaterabende werden.
TerminDO 12. bis SO 22. Juli 2018
AdresseNationaltheater Mannheim // Goetheplatz // 68161 Mannheim //
Kartentelefon: 0621 1680-150 // E-Mail: nationaltheater.kasse@mannheim.de
SpielorteNationaltheater Mannheim & Schloss Schwetzingen
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    Orphée mécanique
    Felix Kubin ist eine der ungewöhnlichsten Gestalten im derzeitigen Kunstbetrieb und „Orphée mécanique“ eine der ungewöhnlichsten Annäherungen an den Mythos Orpheus. Kubin ist Musiker, Komponist, Autor und Betreiber des Plattenlabels „Gagarin Records“. Er arbeitet mit Bands ebenso wie mit Neue-Musik-Ensembles, doch seine eigentliche Domäne ist die elektronische Musik in der Nachfolge der Musique concrète und der Neuen Deutschen Welle. 2012 schuf er in Anlehnung an Dino Buzzatis Pop-Art-Comic „Orphi und Eura“ ein Hörspiel, das mit dem deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet wurde. Die Liveversion dieses Stücks entwickelte Felix Kubin mit dem Schauspieler Lars Rudolph und dem australischen Percussionisten Steve Heather.
    13. & 14. Juli 2018, 19 Uhr, Nationaltheater Mannheim, Studio Werkhaus
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    I cosmonauti russi – ein futuristisches Jazz-Oratorium
    Der italienische Jazz-Komponist Battista Lena nahm den unverwechselbaren Sound der »Banda Sonora« aus der Toskana zum Anlass, um eines der erstaunlichsten Werke der neueren Jazzgeschichte aufzunehmen: »I cosmonauti russi« für Sprecher, Sängerin, Jazzband und Blasorchester. Wo hätte man eine solche Mischung aus Futurismus und italienischer Folklore, aus Street-March, Latin und Filmmusik jemals gehört? Zu der Band um Battista Lena gehören mit dem Klarinettisten Gabriele Mirabassi und dem Trompeter Enrico Rava zwei der weltweit bekanntesten Jazzmusiker Italiens.Der 45-köpfigen »Banda Sonora« wird sich eine ebenso große Abordnung der Mannheimer Bläserphilharmonie hinzugesellen. Das Opernhaus ist bereit zum Abheben!
    18. Juli 2018, 20 Uhr, Nationaltheater Mannheim, Opernhaus
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    Mannheim Requiem – eine kosmische Konzertshow über den Untergang und Wiederaufstieg der Stadt Mannheim in 12 Songs
    In ganz Mannheim mehren sich seit längerem Anzeichen einer bevorstehenden Katastrophe. Ein Wissenschaftler, genannt »L’Astronome«, hat die Formel gefunden, um Raum und Zeit mittels der Momentan-Strahlung zu durchbrechen. Er warnt jedoch, unsere Gesellschaft sei noch nicht bereit für diese Entwicklung. Von Profitgier getrieben, setzen sich seine Kollegen und Politiker durch. Das Experiment beginnt und Deutschland versinkt im Chaos … Das „Mannheim Requiem“ ist ein apokalyptisches Konzeptalbum von Jan Dvořák und Thomas Fiedler (Kommando Himmelfahrt) nach Plänen des Avantgardisten Edgard Varèse. Im Zentrum steht der aus Mannheimer Bürgern bestehende »Alphabet-Chor«.
    21. Juli 2018, 20 Uhr, Nationaltheater Mannheim, Opernhaus
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