TECHNOSEUM

Geht nicht, gibt’s nicht!

Gestaltet wie ein Schaudepot, finden sich in der Ausstellung Emailleschilder und Blechdosen, Warenautomaten und Plakate, Plüschtiere und Sammelfiguren, Leuchtreklame und Einkaufstüten — insgesamt mehr als 2.000 Exponate. Für die Besucherinnen und Besucher wird die Schau zu einer Begegnung mit der eigenen Vergangenheit — nostalgische Gefühle inklusive. An Mitmach-Stationen können sie Werbejingles und Marken-Logos erraten. Wer möchte, schaut sich auf der Leinwand ausgewählte Werbespots der vergangenen Jahrzehnte an.
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Und so schallt es lange noch …

1937 ist das Geburtsjahr von Lurchi, dem Helden von bis heute mehr als 160 Comicheften. Entwickelt als Werbefigur für die Schuhmarke Salamander, lagen die Heftchen zuerst als kostenloses Werbegeschenk in den Schuhläden aus: So waren die Kleinen beschäftigt, während die Eltern in aller Ruhe Schuhwerk kauften. Seit die Firma auch Kinderschuhe im Sortiment hat, ist der Lurch ein besonders erfolgreiches Beispiel für Kundenbindung von Kindesbeinen an: Die kleinen Kunden kamen in die Läden, um sich einen neuen Comic zu sichern und ertrugen dann auch das langweilige Schuheanprobieren — und kehrten als Erwachsene zurück, da sie die Marke schon kannten. Ein seit Jahrzehnten bewährtes Erfolgsrezept, auch wenn der Lurch mit der Zeit gehen musste: So waren die Texte anfangs noch in Versen gehalten, die Reime in den ersten fünf Heften stammten sogar aus der Feder des damaligen Salamander-Generaldirektors persönlich. Heute trägt Lurchi auch nicht mehr den einst charakteristischen Tirolerhut — aber wie eh und je natürlich ein Paar feste Schuhe.
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Friends forever.

Vor der Barbie gab es die Lilli. Im Juni 1952 erschien die erste Ausgabe der BILD-Zeitung, inklusive eines Comicstrips: Heldin war eine Blondine mit rotgeschminkten Lippen, langen Beinen, üppiger Oberweite und Wespentaille. Frech, frivol und schick gekleidet wurde Lilli überaus populär unter den BILD-Lesern und zum festen Bestandteil des Blattes. Schon ein Jahr später gab der Verlag eine Werbe-Puppe heraus — wohlgemerkt als Sammelobjekt für die erwachsene Leserschaft der Boulevardzeitung. Fast 130.000 Exemplare der Lilli wurden bis Mitte der 1960er-Jahre produziert. Bereits in den 1950er-Jahren tauchten erste Lilli-Kopien in Fernost auf — die bekannteste erschuf allerdings die US-amerikanische Spielzeugfirma Mattel: Die Firmen-Mitbegründerin Ruth Handler sah die Lilli-Puppe auf einer Europareise und ließ 1960 in Kalifornien eine Modepuppe für Mädchen kreieren, der sie den Namen Barbie gab — benannt nach Handlers Tochter Barbara. Seitdem hat Barbie rund um den Globus nicht nur unzählige Mädchenzimmer erobert, sondern auch Kritiker auf den Plan gerufen: Barbie, so der Vorwurf, stehe für ein unrealistisches Frauenbild, das Mädchen in ihrer Entwicklung negativ beeinflusse. Die Original-Lilli hätte bestimmt auch dazu einen kessen Spruch auf den Lippen gehabt.
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Zieh dir einen!

Ob Zigaretten, Briefmarken oder Süßigkeiten: Automaten, an denen man für ein paar Münzen etwas kaufen kann, gibt es auch heute noch im Straßenbild. Dieser Postkartenautomat aus den 1960er-Jahren beispielsweise stand im Gasthaus „Goldener Hirsch“ in Neckarsteinach — für 1 DM pro Karte konnte man sich Ansichtskarten mit Neckartal-Motiv sichern. Ihre große Zeit hatten die Warenautomaten um 1900. In Deutschland war es der Kölner Schokoladenproduzent Stollwerck, der diese neuartigen Geräte erstmals aufstellte, um neue Sorten zur Verkostung anzubieten. Die Obrigkeit äußerte Kritik und sorgte sich um die Volksgesundheit, die Kirche sah in den Apparaten eine Bedrohung der Sonntagsruhe. Doch das tat dem Erfolg der „Groschengräber“ keinen Abbruch: 1887 gab es allein in München um die 1.500 Exemplare — und das waren nur diejenigen für Schokolade.
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Fünf ist Trümpf!

6800 war noch zu Beginn der 1990er-Jahre die Postleitzahl für Mannheim — stand aber auch für den Ort Saalfeld in Thüringen. Mit der deutschen Wiedervereinigung gibt es rund 800 Postleitzahlen im Zustellgebiet der Deutschen Post, die doppelt vergeben waren. Eine Reform musste her — und eine Kampagne, um die Umstellung in der breiten Bevölkerung bekannt zu machen. Das Ergebnis: Postleitzahlen-Rolf, ein Maskottchen in Form einer gelben Hand mit Turnschuhen und Sonnenbrille. Als frecher Chaot und mit dem Spruch „Fünf ist Trümpf“ erscheint Rolf ab Sommer 1993 in Fernseh- und Radiospots, als Plüschtier oder auf Frisbeescheiben. Bei den Deutschen ist die Nervensäge teils verhasst — aber immerhin: Ein eigentlich trockenes Thema wird so innerhalb kürzester Zeit populär und die neuen Zahlen werden verwendet. Schon 1994 kann Rolf in den Ruhestand geschickt werden.
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Wie er schmeckt und schont!

Der Kaffee ohne Wachmacher ist eine Bremer Erfindung: Der Kaufmann Ludwig Roselius entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts ein Verfahren, um den Bohnen das Koffein zu entziehen — angeblich aufgrund des frühen Herztodes seines Vaters, der sich zeit seines Lebens zu viel Kaffee genehmigt hatte. Kaffee HAG wurde zu einer bekannten Marke, die lange mit koffeinfreiem Kaffeegenuss gleichgesetzt wurde — nicht zuletzt auch wegen eines unverwechselbaren Erscheinungsbildes, lange bevor das sogenannte Corporate Design bei Unternehmen wichtig wurde. Das Markenzeichen in Form eines Rettungsrings gab es seit 1907, knapp 20 Jahre später kam das Herz hinzu: Beides steht für die gesundheitsschonende Wirkung des Getränks — bis heute. Nicht nur Kaffeedosen und Plakate, sondern auch das firmeneigene Briefpapier, Geschirr und sogar Vorlagen für die Schaufenstergestaltung der Händler wurden einheitlich gestaltet.


Die Sammlung 3: Werben und Verkaufen
07. November 2019 bis 01. Juni 2020
TECHNOSEUM
täglich 9–17 Uhr
www.technoseum.de
Bildnachweis:
TECHNOSEUM/Klaus Luginsland

TECHNOSEUM

Das TECHNOSEUM ist eines der großen Technikmuseen in Deutschland. Die Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik vom 18. Jahrhundert bis heute sowie der soziale und wirtschaftliche Wandel, den die Industrialisierung ausgelöst hat, sind Themen der Dauerausstellung. Maschinen werden nicht einfach gezeigt, sondern in Ensembles inszeniert, Vorführtechniker erklären Arbeitsabläufe und beantworten Fragen. Selbst aktiv werden darf man in der Experimentier-Ausstellung „Elementa“: Technische Erfindungen lassen sich hier durch eigenes Ausprobieren nacherleben. Mit Sonderausstellungen zu Themen aus Naturwissenschaften, Technik und Gesellschaft ist das Museum zugleich Forum für aktuelle Debatten. Komplettiert wird das Programm durch Vorträge, Workshops und spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche.
AdresseTECHNOSEUM // Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim // Museumsstr. 1 // 68165 Mannheim // Telefon: 0621 4298-9 // E-Mail: info@technoseum.de
Öffnungszeiten9 bis 17 Uhr täglich
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