Kunsthalle Mannheim

Fließende Formen

› Wasser und Skulptur. Dynamik und Statik. Fließende Formen in starre Bronze gegossen. Die Wasserwesen des Bildhauers Henri Laurens faszinieren durch die Gegensätze, die sie scheinbar mühelos vereinen. „Unsere Werkschau umfasst rund 60 Skulpturen aus allen Schaffensphasen, die im Dialog miteinander präsentiert werden“, berichtet Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle Mannheim. „Ergänzt werden sie durch rund 50 Druckgrafiken, Zeichnungen und Künstlerbücher, die als Begleiter seines bildhauerischen Schaffens interessante Einblicke gewähren.“

Weithin bekannt ist Henri Laurens, 1885 in Paris geboren, vor allem durch sein frühes Wirken im Kreis der Kubisten um Georges Braque und Pablo Picasso. Von dieser Nähe zur Avantgarde sind auch die geometrisch anmutenden und streng konstruierten Arbeiten dieser Schaffensphase inspiriert. In der Mannheimer Schau wird sie etwa durch das kostbare Mannheimer Ausstellungsstück „Frau mit Fächer“ und eine seiner frühesten Kreationen, die fragile Holzkonstruktion „Der Clown“, repräsentiert.

Eine erstaunliche Raumpräsenz
Im Zentrum der Ausstellung „Wellentöchter“, die in Zusammenarbeit mit dem Bremer Gerhard-Marcks-Haus entstanden ist, steht allerdings das reife Werk des Künstlers. Das Wasser und seine mythischen Bewohnerinnen werden zum wichtigen Sujet: Undinen, Sirenen und Badende. „Die Skulpturen sind charakterisiert durch fließende Linienführung und eine erstaunliche Raumpräsenz“, erläutert Lorenz. „Laurens erobert sich mit seinen abstrahierten Naturinterpretationen eine Pionierposition in der Skulptur im 20. Jahrhundert.“ Um die Mannheimer Bronze „Sirene“ aus dem Jahr 1945 versammeln sich ausgewählte, teils großformatige Skulpturen wie die „Undinen“, „Die Welle“ und „Sirenengruppe“, die ebenfalls dieser Werkreihe entstammen.
  • Mit dem Titel "Wellentöchter" schenkt die Ausstellung den Wasserwesen des Bildhauers besondere Beachtung. Das Werk "Deux Ondines" aus dem Jahr 1934 ist in Mannheim zu sehen. (Foto: Elke Walford © Hamburger Kunsthalle / bpk © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)
  • Auch Druckgrafiken, Künstlerbücher und Zeichnungen sind in der Schau zu sehen. Unter anderem auch das Werk "Femme allongée" aus dem Jahr 1936. (Foto: Rüdiger Lubricht, Worpswede © VG Bild-Kunst, Bonn 2018).
„Die Skulptur atmet und braucht Luft zum Atmen. Der Raum, der sie umgibt, gehört ihr“, sagt Henri Laurens. Die großzügigen Ausstellungsräume des Mannheimer Neubaus bieten den perfekten Wirkungsraum für seine Kunst. „Mit der Hommage an den bedeutendsten französischen Bildhauer der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rücken wir den deutschlandweit gerühmten Skulpturenschwerpunkt unserer Mannheimer Sammlung in den Fokus“, erklärt Lorenz. ‹


Henri Laurens — Wellentöchter
01. März bis 16. Juni 2019
Kunsthalle Mannheim, Neubau
Dienstag bis Sonntag & Feiertag 10–18 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr, 1. Mittwoch im Monat 18–22 Uhr (freier Eintritt)
www.kuma.art
Bildnachweis:
Henri Laurens, Blatt 228.14 aus: „Lucien de Samosate: Dialogues“, 1951, Foto: Rüdiger Lub­richt, Worpswede © VG Bild-Kunst, Bonn 2018;

Kunsthalle Mannheim

Die Kunsthalle Mannheim zählt mit ihren Spitzenwerken von Edouard Manet bis Francis Bacon und ihrem Skulpturenschwerpunkt zu den renommiertesten Sammlungen von deutscher und internationaler Kunst der Moderne und der Gegenwart. Hochkarätige Sonderschauen internationaler zeitgenössischer Kunst vervollständigen das Ausstellungsprogramm. Gezeigt werden sie im Kerngebäude, dem imposanten, frisch sanierten Jugendstilbau von Hermann Billing aus dem Jahre 1907. Bis 2017 entsteht außerdem ein zukunftsweisender Neubau, der die Ausstellungsfläche um rund 1.300 Quadratmetern erweitert.
AdresseKunsthalle Mannheim // Friedrichplatz 4 // 68165 Mannheim
ÖffnungszeitenDienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr, 1. Mittwoch im Monat 18-22 Uhr (freier Eintritt)
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    22. März bis 23. Juni 2019, www.kuma.art
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