TECHNOSEUM

Die Urahnen des Smartphones

Knochen am Ohr
Nur 33 Zentimeter hoch und ein gutes Pfund schwer: Das Motorola International 3200 war gemessen an seinen Vorgängern ein zierliches Leichtgewicht — und mit einem Kaufpreis von 3.000 D-Mark geradezu ein Schnäppchen. Als dieses Mobiltelefon 1992 auf den Markt kam, gab es zwar schon dreimal so teure Autotelefone und solche, die man in einem Koffer mit sich herumtrug. Doch Motorola gehörte zu den ersten Herstellern, die es schafften, den Akku und die gesamte Technik im Handapparat unterzubringen. Vom Hosentaschen-Format war dieses im Volksmund „Knochen“ genannte Gerät allerdings noch weit entfernt, und wer länger als zweieinhalb Stunden telefonieren wollte, musste den Akku aufladen. Bei einer monatlichen Grundgebühr von 70 D-Mark und knapp zwei Mark pro Gesprächsminute dürften sich die Benutzer an der Strippe denn auch eher kurzgefasst haben …
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Vom Kinderzimmer in den Sternenkrieg
Nein, das ist keine Audio-Kassette, sondern eine „Datasette“ — ein Datenträger für ein Spiel auf dem Commodore 64. Das Spiel gehörte zu den frühen Egoshootern und kam zuerst an Computerspieleautomaten zum Einsatz. Gegen den Einwurf von ein paar Münzen konnte man sich in den damals beliebten Spielhallen von Level zu Level daddeln. Mit dem Boom der Heimcomputer und Videospielekonsolen Ende der 1980er-Jahre wurden die Spiele modifiziert, und so konnte man bald auch in den eigenen vier Wänden und vor dem C64 ein Speederbike auf dem Planeten Endor steuern oder mit der Millennium Falcon den Todesstern angreifen.
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Urahn des Kassettenrekorders
Auf das Magnetophon K2 ist das TECHNOSEUM besonders stolz: Es handelt sich um das älteste weltweit noch erhaltene Tonbandgerät und damit um eine echte Rarität. AEG und BASF tüftelten in den 1930er-Jahren gemeinsam an der Magnettonband-Technik. In der Ausstellung im TECHNOSEUM kann man das wertvolle Stück nicht nur sehen, sondern auch der ältesten Tonbandaufzeichnung der Welt lauschen: Sie wurde vermutlich mit dem K2 im Jahr 1936 im BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen aufgenommen — das London Philharmonic Orchestra war dort zu Gast und spielte das erste Mixtape der Geschichte ein.
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Boombox aus dem Kaiserreich
Es war der Vorläufer des heutigen Plattenspielers: das Grammophon, 1887 erfunden und um die Jahrhundertwende bereits weit verbreitet. Allerdings konnten sich die wenigsten die Geräte leisten. Und so kamen sie vor allem an öffentlichen Orten wie Gaststätten und Tanzhäusern zum Einsatz. Da es noch keine Verstärker gab, die großen Räume voller Menschen aber ordentlich beschallt werden wollten, kam man auf die Lösung in Gestalt von überdimensionalen Schalltrichtern, die auch optisch ein Blickfang waren. Wie etwa die „Riesen-Lyra“ von 1911: Der Durchmesser ihres Trichters betrug satte 74 Zentimeter und machte das Grammophon zu einem wahren Ghettoblaster seiner Zeit.


Fernweh in 3D
3D existiert bereits länger als das Kino: Schon im 19. Jahrhundert waren Stereoskope populär, in die Bilder oder später auch Fotos eingespannt wurden. Die Motive waren dabei aus zwei leicht voneinander abweichenden Blickwinkeln aufgenommen. Hielt man sich das Stereoskop vor die Nase, entstand ein räumlicher Eindruck. Besonders Bilderserien mit fernen Städten und exotischen Landschaften waren beliebt, denn so konnte man Orten nahekommen, die für die Mehrheit damals unerreichbar waren — sei es Jerusalem, Ägypten oder Capri.
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Ausstellung zur Mediengeschichte
ab 29. Juni 2018 (als neuer Bereich der Dauerausstellung)
TECHNOSEUM
täglich 9–17 Uhr
www.technoseum.de
Bildnachweis:
Klaus Luginsland/TECHNOSEUM

TECHNOSEUM

Das TECHNOSEUM ist eines der großen Technikmuseen in Deutschland. Die Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik vom 18. Jahrhundert bis heute sowie der soziale und wirtschaftliche Wandel, den die Industrialisierung ausgelöst hat, sind Themen der Dauerausstellung. Maschinen werden nicht einfach gezeigt, sondern in Ensembles inszeniert, Vorführtechniker erklären Arbeitsabläufe und beantworten Fragen. Selbst aktiv werden darf man in der Experimentier-Ausstellung „Elementa“: Technische Erfindungen lassen sich hier durch eigenes Ausprobieren nacherleben. Mit Sonderausstellungen zu Themen aus Naturwissenschaften, Technik und Gesellschaft ist das Museum zugleich Forum für aktuelle Debatten. Komplettiert wird das Programm durch Vorträge, Workshops und spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche.
AdresseTECHNOSEUM // Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim // Museumsstr. 1 // 68165 Mannheim // Telefon: 0621 4298-9 // E-Mail: info@technoseum.de
Öffnungszeiten9 bis 17 Uhr täglich
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