Festspiele Ludwigshafen

Bewegte Welten

› Südkorea, Chile oder Sizilien — auch die weltbekannte Choreografin Pina Bausch ließ sich von anderen Kulturen inspirieren. In „Palermo, Palermo“ beschreibt sie die mediterrane Stadt frei von Folklore und Verklärung. Bausch hat sich dort selbst längere Zeit aufgehalten und das südliche Leben beobachtet. Mit ihrem Stück, das 1989 Premiere hatte, blickt sie hinter die Kulissen und stellt den täglichen Behauptungskampf drastisch dar. Wie viele ihrer 45 Stücke gilt auch „Palermo, Palermo“ als Meilenstein des modernen Tanztheaters. Mit einer Mischung aus deutschem Ausdruckstanz und amerikanischem Modern Dance revolutionierte Bausch den Bühnentanz.
  • festspiele ludwigshafen Matthäus-Passion 2727 Kamea Dance Company Tamir Ginz
    Choreografische Weltreise: Bie den Festspielen wird die israelischn Kamea Dance Company mit ihrer „Matthäus-Passion 2727“ (Foto: Kfir Bolotin) genauso vertreten sein, wie …
  • festspiele ludwigshafen palermo pina bausch
    … das Tanztheater Wuppertalmit Pina Bauschs „Palermo, Palermo“ (Foto: Ursula Kaufmann) und …
  • festspiele ludwigshafen Piazzolla Tango Compagnia Naturalis Labor Luciano Padovani
    … die italienische Compagnia Naturalis Labor mit „Piazzolla Tango“. (Foto: Marco Caselli)
In ihrer Montagetechnik fügte sie Sprache, Schauspiel und Gesang hinzu und lehnte alles oberflächlich Schöne ab. Ihr Credo: Nicht wie die Tänzer sich bewegen, sondern was sie bewegt, ist interessant. Bis heute hält das Tanztheater Wuppertal das Werk seiner 2009 verstorbenen Leiterin lebendig und präsentiert jetzt „Palermo, Palermo“ in Ludwigshafen. Damit gewährt Kurator Goecke, ein gebürtiger Wuppertaler, auch einen Blick in seine eigene künstlerische Sozialisation. „Das ist für mich einfach Heimat“, hat er in einem Interview beteuert.

Hommage an Piazzolla

Was Pina Bausch für den Tanz bedeutete, war Astor Piazzolla für den Tango. Der argentinische Bandoneon-Spieler und Komponist hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Anfangs stieß sein Tango Nuevo auf Ablehnung und wurde als nicht tanzbar bezeichnet. Wie falsch die Kritiker mit diesem Urteil lagen, beweist die italienische Compagnia Naturalis Labor. Mit „Piazzolla Tango“ ehrt Choreograf Luciano Padovani den musikalischen Erneuerer mit poetisch-melancholischen Bildern.

Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt der israelischen Kamea Dance Company. In ihrer Heimat zählt sie zu den Protagonisten des zeitgenössischen Tanzes. Leiter Tamir Ginz greift immer wieder brisante Themen auf. In „Matthäus-Passion 2727“ lässt er sich von Bachs großem Oratorium anregen. Mit dem Stück über das Leben und Sterben Christi zeigt er eine Geste der Versöhnung: „Als ein israelisch-jüdischer Choreograf und Sohn von Überlebenden des Holocausts möchte ich mit dieser Choreografie eine Brücke bauen zwischen Nationen und Religionen“, betont Ginz.

Von Palermo bis Rio

Der südamerikanische Subkontinent ist bei den Festspielen Ludwigshafen mit der 2008 gegründeten Sao Paulo Dance Company vertreten. Sie gastiert regelmäßig in Europa und hat sowohl ein klassisches als auch ein modernes Repertoire. In ihrem Stück „Agora“ nutzt Cassi Abranches eine zeitgenössische Tanzsprache. Die Choreografin, die unter anderem die Eröffnungszeremonie der Paralympics in Rio de Janeiro gestaltete, widmet sich der Mehrdeutigkeit von „Tempo“. Es ist der portugiesische Begriff für Zeit, aber auch Wetter. Außerdem präsentiert die Compagnie das Stück „Anthem“, die erste Arbeit für die Sao Paulo Dance Company des spanischen Choreografen Goyo Motero. Derzeit ist er Ballettdirektor in Nürnberg und hat gerade das hochgelobte Online-Projekt „Peter und der Wolf“ produziert.

Eröffnet wird der Tanzreigen der Festspiele übrigens mit einem Gastspiel des mexikanischen Nationalballetts, das für seine opulenten und temperamentvollen, mitreißenden Aufführungen bekannt ist. Die Festspiele werden somit auch in diesem Jahr die besonderen Tendenzen des zeitgenössischen Tanzes zeigen — und das Publikum in eine Welt der magischen Bilder und Bewegungen entführen. ‹
Bildnachweis:
Charles Lima (Anthem); Ursula Kaufmann (Palermo); Marco Caselli Nirmal (Piazzolla)

Festspiele Ludwigshafen

Die Festspiele Ludwigshafen sind eine feste Größe im Programm des Theaters im Pfalzbau. Jedes Jahr im Herbst präsentieren sie Schauspiel- und Tanzaufführungen auf höchstem Niveau. Neben einem hochkarätigen Tanzprogramm, das von einem externen Kurator oder einer Kuratorin ausgewählt wird, steht bei den Festspielen auch alljährlich eine renommierte deutschsprachige Bühne im Fokus, die sich mit mehreren Gastspielen in Ludwigshafen präsentiert. So waren in den vergangenen Jahren unter anderem das Wiener Burgtheater, die Münchener Kammerspiele oder das Deutsche Schauspielhaus Hamburg mit ihren Inszenierungen zu Gast.
AdressePfalzbau Bühnen // Berliner Straße 30 // 67059 Ludwigshafen // Kartentelefon: 0621 5042558 // E-Mail: pfalzbau.theaterkasse@ludwigshafen.de
SpielortePfalzbau Bühnen
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