Internationale Schillertage

„Vor Kunst muss man keine Angst haben“

Herr Holtzhauer, bevor Sie nach Mannheim kamen, haben Sie das renommierte Kunstfest in Weimar geleitet. Empfinden Sie diese Erfahrung als Vorteil bei der Vorbereitung der Schillertage?
Wir haben uns viel vorgenommen für unsere erste Spielzeit. Außerdem wollen wir noch ein großes Festival veranstalten und dazu noch einen runden Geburtstag dieses Festivals feiern. Da stehen wir gehörig unter Zeitdruck. Einerseits hilft es natürlich, dass ich Festivalerfahrung habe und über Kontakte in die internationale Theaterlandschaft verfüge. Andererseits kann ich nur bedingt Erfahrungen, die ich in Weimar gemacht habe, auf Mannheim übertragen. Mannheim und Weimar sind doch sehr unterschiedlich.

Sie feiern dieses Jahr die 20. Ausgabe des Festivals. Wie hat es sich seit seiner Gründung verändert?
Es stellt sich schon die Frage, ob die Situation nicht anders ist als in den 1970er-Jahren. Reicht es aus, das Festivalprogramm allein mit Inszenierungen von Werken Schillers zu bestücken? Die Antwort ist ein klares Nein. Es ist heutzutage gar nicht mehr so einfach, überhaupt Schiller-Aufführungen im deutschsprachigen Raum zu finden, von internationalen ganz zu schweigen. Daher wollen wir den eingeschlagenen Weg der Schillertage fortsetzen und haben uns vorgenommen, die Ideen- und Gedankenwelt, die Kunsttheorien Schillers, sein Verständnis von Geschichte mit zu thematisieren und nach Anknüpfungspunkten zwischen seiner Gedankenwelt und der Gegenwart zu suchen.

Wie kamen Sie dabei auf das Festivalthema „Fieber“?
„Fieber“ deswegen, weil sich Schiller in Mannheim mit Malaria infiziert hat und weil Fieber ein wunderbar schillernder Begriff ist. Er hat eine körperliche Dimension, er hat eine gesellschaftliche Dimension. Ganze Gesellschaften können in Fieberwahn, in Hysterie oder Begeisterung verfallen. Wenn dies geschieht, stellt sich die Frage, wie es um die Vernunft der Gesellschaft steht.

Ihre Vorstellung von Theater beruht auf Durchlässigkeit und Vielfalt. Gilt dies auch für die Schillertage?
Das trifft auf die Schillertage genauso zu. Wir versuchen, mit verschiedenen Programmpunkten ganz verschiedene Publikumsgruppen ins Haus zu holen. Ich möchte einen Raum für Begegnungen schaffen, vielleicht auch unerwartete Begegnungen ermöglichen. Meine Idealvorstellung ist, dass sich in den Vorstellungen Leute treffen, die sich auf der Straße normalerweise nicht begegnen würden. Das ist bei einem Festival sogar leichter als im normalen Stadttheaterbetrieb.

Gehört zu diesem Prinzip, dass Sie eine Kinder- und eine Erwachsenenjury ins Leben rufen?
Ja, denn obwohl wir in einer durchästhetisierten Gesellschaft leben, ist es heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr, sich zur Kunst ins Verhältnis zu setzen. Manche haben regelrecht Angst davor. Das Anliegen der beiden Jurys ist es zu zeigen, dass es keine Rolle spielt, wie man sich zu einer künstlerischen Arbeit verhält und äußert. Hauptsache, man macht sich die Mühe, sich ihr auszusetzen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Ich habe eine solche Kinderjury schon in Weimar gebildet. Die Ergebnisse waren toll. Die Ernsthaftigkeit, aber auch die Originalität, mit der die Kinder auf Arbeiten reagiert haben, die ursprünglich gar nicht für sie gedacht waren, waren beeindruckend. An der Kinder- und Erwachsenenjury interessiert mich die Frage, wie unterschiedliche Generationen auf ein und dieselbe Aufführung blicken. Ich möchte zeigen, dass man vor Kunst keine Angst haben muss. Sich mit Kunst auseinanderzusetzen, kann Spaß machen und bereichernd sein. ‹
Bildnachweis:
Christian Kleiner

Internationale Schillertage

TerminDO 20. bis SO 30. Juni 2019
AdresseNationaltheater Mannheim // Goetheplatz // 68161 Mannheim // Telefon: 0621 1680200 // Karten: 0621 1680150 // Fax: 0621 1680500 // E-Mail: schillertage@mannheim.de
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