METROPOLINK

Spirit aus der Dose

Einen Steinwurf von der Autobahn entfernt zwischen Schwetzingen und Heidelberg liegt das Patrick-Henry-Village, ehemaliger Stützpunkt amerikanischer Soldaten. Im Süden dieses Areals befindet sich ein verwaister Supermarktparkplatz: Durch die Ritzen im Asphalt sprießen Gräser und anderer Wildwuchs. Der Blick fällt auf eine auffällig bemalte Fassade. Aus überdimensionalen Getränkedosen mit dem Schriftzug „Spirit“ fließt eine giftgrüne Flüssigkeit, riesige quietschgelbe Bananen empfangen alle, die die Türen des ehemaligen Supermarktes passieren. „Das entstand im Rahmen unseres Festivals 2019“, erklärt Pascal Baumgärtner, Erfinder und Kurator von METROPOLINK. Mit einem Knarren öffnet er die Eingangstür und legt drinnen den Generalschalter um, zu sehen sind zuckende Überbleibsel von Leuchtschrift über gigantischen Kühltruhenskeletten.

Angefangen hat METROPOLINK als Street-Art-Festival in der gesamten Metropolregion. Mittlerweile ist es aber zu einem viel größeren Projekt geworden, wie Baumgärtner erklärt: „Wir wollen hier unseren Superstore eröffnen, einen Ort für Künstlerinnen und Künstler aus der Region und der ganzen Welt, wo jeder kreativ sein kann. Das Wichtigste dabei ist, dass sich alle, die hier arbeiten, so richtig frei fühlen können.“ Während der Verkaufsraum des PX noch eher einem Stranger-Things-Filmset ähnelt, sieht man in dem endlosen Flur auf dem Weg zur eigentlichen METROPOLINK-Schaltzentrale, der ehemaligen Waren-Anlieferhalle, schon Lebenszeichen einer Nutzung: Vergangenen Sommer gab es schon einmal einen ersten Vorgeschmack, die Künstler campierten in den leerstehenden Häusern vor Ort, es gab leckeres Essen und coole Drinks, lange Partynächte, Lesungen und natürlich jede Menge Street-Art mit Szenegrößen aus der ganzen Welt.
  • Street Art mit Message – ein Mural im Innenhof des PX ist der Aktivistin und Seenotretterin Carola Rackete gewidmet.Geschaffen hat es der spanische Künstler SAM3.
  • Das Metropolink Festival im Sommer 2019 im Patrick Henry Village war ein voller Erfolg. Die Planungen für 2020 laufen noch.
Wenn Baumgärtner daran zurückdenkt, kommt er ins Schwärmen: „Das war ein ganz spezieller Vibe. Gerade weil wir hier ziemlich außerhalb liegen, war alles so entschleunigt. Jeder, der den Weg auf sich genommen hat, nahm sich Zeit und ließ sich treiben.“ Die Zukunft der Flächen ist noch ungewiss. Mit Durchhaltevermögen und der nötigen Portion Größenwahn hat Baumgärtner ein Netzwerk geschaffen, das den Traum vom nicht kommerziellen Kunstsupermarkt mitträumt. Sponsoren, Partner und auch die Stadtspitze sind überzeugt, der Pachtvertrag läuft für zwei Jahre. Corona hat die Festivalplanungen für 2020 gründlich durcheinandergeworfen, aber auch wenn es noch keine in Stein gemeißelten Pläne gibt — „irgendetwas werden wir schon machen“, ist Baumgärtner überzeugt. Erstmal gab es ein kurzerhand angeleiertes Livestream-Event mit Street-Art-Künstlern und Musikern, darunter auch Rap-Legende Samy Deluxe. Dabei wurde eine der bereits bemalten Wände übermalt, denn in der PX-Factory ist, wie Baumgärtner sagt, „nix für immer“, hier geht es um das Machen im Moment, das Gemeinsam-was-Schaffen, den Spirit der großen Freiheit.
Bildnachweis:
Metropolink Heidelberg

METROPOLINK

METROPOLINK verändert seit 2015 die Perspektive auf die Stadt.Weltweit renommierte Künstler, darunter Stars der Szene wie Bordalo II, Hendrik Beikirch, Sam3 oder Herakut, besuchten Heidelberg und die Region um Kunst für ein großes Publikum zu schaffen. Wände, Gebäude und öffentliche Räume verwandeln sich seither in Kunstwerke. METROPOLINK versteht künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum als eine Möglichkeit, diesen für die Gemeinschaft wiederzugewinnen. Öffentlicher Austausch ist erwünscht und kulturelle Brücken sollen im Kontext der Kunst im öffentlichen Raum geschlagen werden.
TerminSommer 2020
AdressePX Factory
South Gettysburg Avenue 45
69124 Heidelberg

Kontakt: Pascal Baumgärtner, Email: willi@willibender.de
@metropolinkurbanartfestival
SpielorteHeidelberg und Region, Patrick Henry Village Heidelberg
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