SchUM-Städte

Schalom, SchUM!

Unzählige Füße sind schon über diese Treppe aus Sandstein gegangen. Seit 900 Jahren führt sie hinab zum jüdischen Ritualbad in Speyer. Kühle herrscht hier unter der Erde. Vogelgezwitscher dringt durch den Lichtschacht. Das Wasser funkelt grün. Bis heute ist dieser Ort mit seinen romanischen Verzierungen etwas Besonderes geblieben. Für die UNESCO-Bewerbung der SchUM-Städte Worms, Speyer und Mainz, die ihr jüdisches Leben und dessen Monumente als Weltkulturerbe schützen lassen möchten, ist das Ritualbad ein wichtiger Baustein. Im Mittelalter galten die drei Städte als Jerusalem am Rhein. Sie gehören zu den ältesten jüdischen Gemeinden in Europa. Die Bezeichnung SchUM leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Namen von Speyer, Worms und Mainz ab.

1.700 Jahre jüdisches Leben

Das laufende Jahr ist für die drei Zentren jüdischen Lebens in zweierlei Hinsicht bedeutsam. Zum einen entscheidet die UNESCO im Frühsommer über den Aufnahmeantrag, zum anderen wird in Deutschland das Festjahr „1.700 Jahre jüdisches Leben“ begangen. Von den bundesweit 1.000 Veranstaltungen sind 70 in Rheinland-Pfalz geplant, die SchUM-Gemeinden spielen mit ihren Projekten eine tragende Rolle. „Die Festtage sind eine gute Gelegenheit, um Themen mit einem etwas anderen Blick herauszugreifen“, sagt Dr. Susanne Urban, seit sechs Jahren Geschäftsführerin des SchUM-Städte-Vereins. Im April soll es — voraussichtlich online — um „Reinheit“ gehen, ein großes spirituelles und religiöses Thema im Judentum, das aus religiöser, kulturwissenschaftlicher, weiblicher und moderner Perspektive beleuchtet wird. Nach dem Ende des Lockdowns eröffnet zudem die neue Ausstellung im Wormser Raschi-Haus wieder, die den Blick auf Gelehrsamkeit, Migration, Buchdruck und andere Themen im Judentum lenkt und den Faden bis in die Gegenwart spinnt.

Vom musealen zum jüdischen Ort

Die fast 1.700 Jahre lange Präsenz von Juden in Deutschland spiegelt sich auch im Schicksal der Wormser Synagoge wider. In der Vergangenheit mehrfach zerstört, 1938 von Nazi-Schergen niedergebrannt, wurde sie 1961 wieder aufgebaut. Für Susanne Urban birgt sie eine spannende Geschichte: „Als ich in den 90er-Jahren jüdische Touristen nach Worms begleitet habe, war die Synagoge ein musealer, aber kein jüdischer Ort. Mittlerweile gibt es durch die Zuwanderung wieder mehr jüdisches Leben und der Raum hat wieder seine eigentliche Aufgabe. Das finde ich berührend.“

SchUM-Städte, www.schumstaedte.de
Bildnachweis:
© SchUM-Städte e.V.

SchUM-Städte Speyer Worms Mainz

Als SchUM wird der Verbund bezeichnet, den die jüdischen Gemeinden der oberrheinischen Städte Speyer, Worms und Mainz im Mittelalter bildeten. In hebräischen Quellen werden die drei Gemeinden seit dem 12. Jahrhundert als Kehillot (Gemeinden) Spira Warmaisa Magenza oder auch nur als „die Gemeinden“ bezeichnet. Der Verein „SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz e.V.“ setzt sich für den Erhalt des jüdischen Erbes in den Städten ein und ist auch federführend bei der Bewerbung der SchUM-Städte für die Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe. Träger des Veriens sind das Land Rheinland-Pfalz, die Städte Speyer, Worms und Mainz, die Jüdische Gemeinde Mainz K.d.ö.R, die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz sowie der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz.
facebooktwitterg+Mail