Nationaltheater Mannheim

Lüge, Lüge, Lüge

„Lüge, Lüge, Lüge“ sind beinahe die letzten Worte, mit denen Autor Emre Akal sein Stück „Es sagt, es liebt uns“ schließen lässt. Verfasst hat es der 1981 in München geborene Akal im Rahmen seiner Hausautorschaft am Nationaltheater in der Spielzeit 2025/26. Ein Auftragswerk über KI und den Menschen. Die Versuchsanordnung: Eine Modular-Organische-Neuro-Intelligenz, kurz MO-NI, zieht in das Leben von Witwer Klaus K. und seiner Tochter ein, um als Maschine, Haushaltshilfe und Mutterersatz zu dienen. Die Technik war für Akal beim Schreiben zweitrangig: „Ich interessiere mich gerade mehr dafür, was mit dem Menschen passiert, als für die technischen Visionen. Während alle den Wahnsinn der KI beschreiben, habe ich versucht, diesen Wahnsinn in Emotionen zu übersetzen.“

„Netflix-Theater“ und „Maximalismus“

Dabei ist Akal durchaus technikaffin, die Jump-and-run-Computerspiele seiner Jugend nennt er genauso als Einfluss wie Fotografie und Film. Vor allem in seinen Regiearbeiten wird das deutlich. „Normales Theater“ sei nicht so seins, als „Netflix-Theater“ und „Maximalismus“ bezeichnet er, was er macht. Für Inszenierungen wie zuletzt „Romeo und Julia“ am Schauspielhaus Graz oder „Katzelmacher“ an den Kammerspielen München arbeitet er eng mit seinem Bruder Kazim und seinem Cousin Mehmet zusammen. Beide sind Bildende Künstler. „Wir hängen dann in diesen Virtual-Reality-Brillen ab und bauen an den Bühnenbildern, Teile davon landen als 3-D-Druck auch auf der Bühne.“ So ist eine Akal-Inszenierung auch eine direkte Einladung in seinen Kopf.

„Ich liebe Langsamkeit“
Und wie ist der Autor? „Der will viel mehr reden. Ich produziere viel mehr Text, als ich als Regisseur selbst spannend finde.“ Die Hausautorenschaft sieht Akal als Luxussituation, einmal kurz durchzuatmen und sich schreibend der konstanten Reizüberflutung zu entziehen. „Ich liebe Langsamkeit, ich liebe es, Zeit zu dehnen“, sagt er von sich selbst. Gleichzeitig ist er schnell abgelenkt. Mannheim als Ort wirkt anregend auf sein Nervensystem. „Wenn ich durch die Quadrate laufe, löst das in mir viele Gedanken aus. Angefangen mit den Bezeichnungen, H2, Q1 — das fühlt sich kälter an als die Menschen in dieser Stadt.“ Die Mannheimer*innen erlebt er denn auch als offen und kommunikativ, er vermutet, dass dies auch an der langen Migrationsgeschichte der Stadt liegt.

Die Menschen, ihr Umgang miteinander, das Echte, das interessiert Akal. Minutiös durchkomponiert, aber darin sieht er keinen Widerspruch. Ebenso wenig wie darin, dass er gerade im Theater, dem Ort der großen Illusion, den „Moment des Echten“ erkennt. Es sei ein Experimentierort. Einer, der sich der „Lüge, Lüge, Lüge“ entgegenstellt.

„Es sagt, es liebt uns“
26.03.2026, 20 Uhr
Studio Werkhaus
weitere Termine unter: nationaltheater-mannheim.de
Bildnachweis:
Christian Kleiner

Nationaltheater Mannheim

Das Nationaltheater Mannheim ist eines der größten und ältesten kommunalen Repertoiretheater Deutschlands. Hervorragende künstlerische Leistungen, Ur- und Erstaufführungen machen es zum Flaggschiff der Stadt Mannheim und überregional zu einer der bedeutendsten Bühnen Deutschlands. Davon zeugen jährlich rund 1300 Vorstellungen für ca. 330.000 Besucher genauso wie eine überregionale Berichterstattung. In jeder Spielzeit stehen in den vier Sparten Oper, Schauspiel, Tanz und dem Jungen Nationaltheater sowie der Mannheimer Bürgerbühne ca. 35 Premieren und 65 Wiederaufnahmen auf dem täglich wechselnden Spielplan.
AdresseAm Goetheplatz // 68161 Mannheim // Telefon: 0621 1680 0 // E-Mail: nationaltheater.marketing@mannheim.de
ÖffnungszeitenKartentelefon: 0621 1680 150 // Telefonzeiten: Mo–Fr 9–19 Uhr // Sa 9–13 Uhr // E-Mail: nationaltheater.kasse@mannheim.de
Kartenvorverkauf: Theaterkasse am Goetheplatz // Mo–Sa 11–18 Uhr und an allen Vorstellungstagen i
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