UNESCO Weltkulturerbe SchUM-Städte

Jerusalem am Rhein

Der Antrag ist mehr als 1.000 Seiten dick gewesen. 17 Jahre haben die jüdische Gemeinde, Wissenschaftler*innen und Mitarbeiter*innen der Städte Worms, Speyer und Mainz daran gefeilt. Jetzt kann man sagen, dieser Einsatz hat sich gelohnt: Ende Juli zeichnete die UNESCO die jüdischen Monumente der drei SchUM-Städte als Welterbe aus. Die Bezeichnung SchUM ist das Akronym aus den hebräischen Städtenamen — Schpira für Speyer, Warmaisa für Worms und Magenza für Mainz. Noch heute stehen dort wichtige Kulturdenkmäler wie das älteste erhaltene jüdische Ritualbad Europas in Speyer oder die 1961 wieder aufgebaute Wormser Synagoge (Foto), die als architektonisches Vorbild für viele andere europäische Synagogen diente, sowie der Heilige Sand in Worms, der älteste noch existierende jüdische Friedhof in Europa.

Schillerndes jüdisches Leben

Sie zeugen von dem schillernden jüdischen Leben, das es vor etwa 900 Jahren in Worms, Speyer und Mainz gab. Bischöfe und Kaiser hatten Juden mit Privilegien angelockt. Sie erhofften sich durch den Zuzug der international vernetzten Kaufleute eine Urbanisierung und Belebung des Handels. Außerdem sorgten die kostspieligen Dombauten für leere Kassen und zusätzliche Steuereinnahmen waren willkommen. Bald entwickelten sich die drei Städte zum Jerusalem am Rhein.

Entlang der Flussachse ließen sich wichtige Gelehrte an den dortigen Talmudschulen ausbilden und verschafften ihnen internationales Renommee. Neue Impulse wie ein Scheidungsrecht, das Frauen nicht benachteiligte, und das Briefgeheimnis gingen davon aus. Sie haben einige heute noch gültige Vorstellungen und Gesetze im Judentum geprägt.

Einzigartig, authentisch und herausragend

„Die Anerkennung als Welterbe ist eine große Ehre“, freut sich die Geschäftsführerin des SchUM-Städte-Vereins, Dr. Susanne Urban. „Sie bedeutet, dass die UNESCO das jüdische Erbe der drei Städte als einzigartig, authentisch und herausragend einstuft.“ Bis heute üben die SchUM-Stätten auf Juden in aller Welt eine besondere Faszination aus. „Auch viele säkulare Israelis wollen einmal hier sein. Es geht dabei um etwas Spirituelles, das gar nicht fassbar ist“, erklärt Urban. Für die Zukunft schwebt ihr neben einer noch stärkeren Vermittlungsarbeit ein sanfter Tourismus vor. „Konkret werden uns die Besucherlenkung und der nachhaltige Tourismus beschäftigen, aber auch Angebote für spezifische Gruppen.“

Begeisterung in den Rathäusern

In den Rathäusern ist man ebenfalls stolz auf diese Auszeichnung. „Diese Würdigung bedeutet unserer Stadt sehr viel, weil wir den jüdischen Stätten in Hochachtung verbunden sind“, bekundet der Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel. Seine Speyerer Amtskollegin, Stefanie Seiler, sieht das ebenso. „Als Oberbürgermeisterin von Speyer freue ich mich auch besonders, weil 40 Jahre nach dem Kaiserdom nun eine zweite Welterbe-Stätte nach Speyer kommt und damit das friedliche Miteinander verschiedener Religionen in unserer Stadt hervorgehoben wird.“

www.schumstaedte.de

SchUM-Städte Speyer Worms Mainz

Als SchUM wird der Verbund bezeichnet, den die jüdischen Gemeinden der oberrheinischen Städte Speyer, Worms und Mainz im Mittelalter bildeten. In hebräischen Quellen werden die drei Gemeinden seit dem 12. Jahrhundert als Kehillot (Gemeinden) Spira Warmaisa Magenza oder auch nur als „die Gemeinden“ bezeichnet. Der Verein „SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz e.V.“ setzt sich für den Erhalt des jüdischen Erbes in den Städten ein und ist auch federführend bei der Bewerbung der SchUM-Städte für die Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe. Träger des Veriens sind das Land Rheinland-Pfalz, die Städte Speyer, Worms und Mainz, die Jüdische Gemeinde Mainz K.d.ö.R, die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz sowie der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz.
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