Maquis Mami Wata

Im Raum der Göttin

Draußen vor dem Ladenlokal winkt und ruft jemand. Stefan Wäldele winkt zurück und geht kurz raus, um „Hallo“ zu sagen. „So ist das hier, sobald die Rollläden offen sind, kommt jemand.“ Wäldele fühlt sich ganz offensichtlich wohl in der Mannheimer Neckarstadt-West, wo er 2020 gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin, der Künstlerin Hannah Zeller, den Ausstellungsraum „Maquis Mami Wata“ eröffnet hat.

Schöpfungsgöttin, Beschützerin und böser Wolf

Mannheim lernte er bereits kurz nach seinem Studium an der Freiburger Außenstelle der Karlsruher Kunstakademie kennen — dank eines Stipendiums der Barac-Macher*innen Philipp Morlock und Myriam Holme. In einem Nissan Micra, Baujahr 1990, lud er zu Pop-up-Ausstellungen auf Parkplätzen ein. Ein paar Jahre später entdeckte er bei einem Spaziergang den Raum unweit des Neckars. Und sah in ihm die perfekte Location für seinen Off-Space. Er widmete ihn, wie schon zuvor seine Arbeit für das Goethe-Institut in Ouagadougou, dem Wassergeist Mami Wata. „Diese Figur begleitet mich. Sie ist tief in den Kulturen Westafrikas verwurzelt und zugleich ambivalent: Schöpfungsgöttin, Beschützerin der Außenseiter und böser Wolf zugleich“, sagt Wäldele. Im Hinterzimmer seines Kunstraums, steht sie als Muse und Schutzgeist in Form einer Skulptur (Foto), die Wäldele von einem ghanaischen Sargmacher anfertigen ließ. Von dort aus wacht sie über alles, was sich in dem kleinen Ladenlokal so zuträgt. Und das ist eine Menge: Jeden Monat gibt es eine neue Ausstellung.

Keine Regeln, aber Ernsthaftigkeit

Die Taktung findet Wäldele selbst aber nicht weiter bemerkenswert. „Es ist komisch, dass andere so wenig zeigen.“ Denn es gebe viel zu entdecken. Noch heute, Jahre später, beschäftigen ihn etwa manche Arbeiten seiner Kommiliton*innen so eindrücklich, dass er es bedauere, wie manches in Vergessenheit gerate. „Mir geht es auch darum, Kunst zu sichern.“ Wem er in seinem Raum eine Bühne bietet, dafür gebe es keine Regeln, aber „eine Ernsthaftigkeit“ sei ihm wichtig. Er möchte denen den Rücken stärken, die, wie er, die Konsequenzen des Künstlerseins auf sich nehmen und das eigene kritische und kreative Arbeiten im Spannungsfeld zwischen Geldakquise, Verbündete-Finden und künstlerischer Autonomie schultern. Keine Rolle spielt es für Wäldele, ob jemand eine Kunsthochschule besucht hat oder Autodidakt ist.

Verbindungen nach Burkina Faso

Das liegt auch an seinen engen Verbindungen nach Burkina Faso, wo er 2015 im Rahmen eines längeren Arbeitsaufenthaltes einen ähnlichen Kunstort gründete, der inzwischen von lokalen Künstler*innen weitergeführt wird. Dort gibt es zwar keine klassischen Kunstakademien, aber viele spannende Künstler*innen. Einige hat Wäldele, der selbst im Niger aufwuchs, über die Jahre nach Mannheim eingeladen. „Ich möchte das Eurozentrische durchbrechen“, sagt der 41-Jährige. Aktuell versucht er dies auch mit dem miniFESPACO: in Anlehnung an eines der größten Filmfestivals für afrikanisches Kino hat er zusammen mit Laurentine Bayala sieben Filme ausgewählt, die in regionalen Kinos laufen.

Als Galerie versteht Wäldele das Maquis Mami Wata nicht. Es gehe nicht darum, etwas zu verkaufen, sondern einen Ort zu haben, an dem Kunst atmen kann. Und auch wenn der Raum in der Bürgermeister-
Fuchs-Straße nach bald sechs Jahren zu einem Treffpunkt für viele unterschiedliche Menschen und ihre Kunst geworden ist, sieht Wäldele darin weniger eine feste Adresse als eine Idee — eine, die überall neue Formen annehmen kann. In Mannheim. In Ouagadougou. Und überall dort, wo er selbst und andere sie hintragen.

Maquis Mami Wata
Bürgermeister-Fuchs-Straße 6
Mannheim-Neckarstadt
maquismamiwata.de
Bildnachweis:
Mami Wata Altar, © Stefan Wäldele, 2026
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