BUGA 23

„Ein Rauschen erzeugen“

Fabian, viele in der Region kennen dich als Leiter des Jugendkulturzentrums FORUM oder des Kulturbüros Ludwigshafen. Nun kehrst du zumindest zeitweise aus deiner Heimat Wien zurück für die Bundesgartenschau 2023. Wie kam das?
Es gab 2020 erste Gespräche mit der BUGA. Und ich bin extrem verführbar, was die Region betrifft. Dann kamen zwei Dinge zusammen: Zum einen fand ich die organisatorische Komponente, den Aspekt der Projektarbeit, reizvoll. Denn bei einer Bundesgartenschau ist es üblich, dass Leute aus ganz vielen Ecken des Landes mit Fachexpertise kommen und alles sehr beweglich ist. Zum anderen konnten wir uns sehr schnell auf eine inhaltliche Ausrichtung einigen. Da ging es insbesondere um das Thema Co-Produktionen, also die Akzentuierung der regionalen Einrichtungen.

Was für einen Bezug hattest du zum Thema BUGA? Klassischerweise denkt man vielleicht erst mal an Touristenbusse und schöne Schaubeete …
Also ich habe einen enormen Bezug zur BUGA. Als ich vor mittlerweile fast zehn Jahren nach Mannheim gekommen bin, war die BUGA das ganz große Thema in der Stadt. Und zwar als offene Frage: „Wird es eine BUGA geben oder nicht und welche Rolle soll diese BUGA erfüllen?“ Ich fand mich damals, als frisch Zugereister, mitten in dieser Diskussion wieder und habe ich mich im Zuge meiner Arbeit beim FORUM auch an diesen Diskussionen beteiligt. Wir haben damals sogar die JUGA erfunden, um junge Positionen einzubringen und ich habe damals direkt nach der Schlüsselübergabe durch die Amerikaner das Spinelli-Areal besucht. Das war sehr beeindruckend.

Also dein Ansporn ist es schon, diese BUGA hier in Mannheim als Stadtentwicklungsprojekt mitzugestalten?
Ja, und letztendlich ist das die große politische Leistung dieser BUGA, die sich wahrscheinlich auch erst im Laufe der nächsten Jahrzehnte noch zeigen wird: Sie hält entgegen vielen Widerständen konsequent an dem Thema Stadtentwicklung fest und hat die Ambition, die Stadt zu verändern. Dass dies im Vorfeld und währenddessen für große Kontroversen sorgt, ist nicht ungewöhnlich, da sich ja etwas verändert. Aber letztendlich könnte es ohne eine solche Grundhaltung kein originäres und kuratiertes Kunst-, Kultur- und Veranstaltungsprogramm geben. Ansonsten wären wir einfach ein Großevent, mit ein paar mehr oder weniger renommierten Programmpunkten.

Und die Kultur gehört zwangsläufig dazu, wenn es um solche Zukunftsfragen geht …
Deshalb habe ich für diese Aufgabe schnell Feuer gefangen. Weil ich schon immer eine besondere Beziehung zu einer unprätentiösen Verankerung von Kunst und Kultur im Leben hatte. Ich habe in meiner Zeit als Leiter des Kulturbüros Ludwigshafen sehr schnell die kulturelle Stadtentwicklung als Betätigungsfeld hinzubekommen. Und da habe ich die Chance gesehen, vollkommen abseits jeglicher gelernter Kunst- und Kulturinfrastruktur, das Thema neuronal neu zu vernetzen.

Welche Rolle spielen die Leitthemen Klima, Umwelt, Energie, Nahrung für das Programm?
Die sind extrem wichtig. Mir war von Anfang an klar, dass dies die gesetzten Themen sind und alles darauf einzahlen muss. Dies war für mich ein zusätzlicher Anreiz. Denn ich habe gewusst, okay, ich muss Schulterschlüsse entwickeln. Und zwar so, dass sie nicht krampfig sind, sondern sich ganz organisch in diese Großveranstaltung einfügen.

Wie hast du dich da reingefunden? Was haben die ersten Monate gebracht?
Begonnen haben wir mit einem Thema, das mir ganz wichtig ist, und zwar mit dem Zuhören. Ich habe zunächst sehr, sehr viele Gespräche geführt, mit Institutionen und Akteurinnen und Akteuren aus der freien Szene. Dabei ist uns aufgefallen, dass bei vielen eine große Bereitschaft vorhanden ist, mitzumachen und sich mit den gesetzten Themen zu beschäftigen. Hinzu kam, dass für viele 2023 wie ein Hoffnungsschimmer war. Plötzlich war da etwas mit planbaren Rahmenbedingungen am Horizont, weil sich eine Großveranstaltung dazu bekannt hat, wie ein Konjunkturpaket für die hiesige Szene zu fungieren.

Das Programm trägt den Titel „Lebenskunst“. Was hat es damit auf sich?
Der Titel spielt bewusst mit einer Doppeldeutigkeit. Wir wollten uns ganz klar zu einem Kunst- und Kulturbegriff bekennen, der fest in der Alltagswelt verankert ist. Grundsätzlich richtet sich eine BUGA an einen extrem breiten Teil der Bevölkerung. Und zweitens weisen wir schon explizit darauf hin, dass der Kunst- und Kulturbereich gerade in den letzten Monaten bewiesen hat, wie man in Krisenzeiten lebensbejahend überlebt. Fakt ist, wir haben ganz viele Lebenskünstler unter den Künstlerinnen und Künstlern gesehen. Und darauf wollen wir noch mal hinweisen. Auch vor dem Hintergrund, dass sich die BUGA mit der Veränderung einer sich transformierenden Gesellschaft befasst. Und Kunst und Kultur haben da viel vorgezeichnet.

Kannst du einen Ausblick geben, auf was freust du dich am meisten in den nächsten Monaten?
Erstens freue ich mich jedes Mal, wenn ich hier bin, darüber, diese enorme Entwicklung zu beobachten. Es ist faszinierend mitzuerleben, wie dynamisch und schnell Veränderung vonstattengehen kann. Und was das für tolle Auswirkungen auf eine Brache hat. Zweitens freue ich mich darüber, dass ein Bau wie die U-Halle Teil dieses Konzepts sein wird. Weil sie ganz maßgeblich zu einer eigenständigen Ästhetik dieser BUGA beitragen wird. So ein Ding kann man heute nicht mehr nachbauen
und wird auch wahrscheinlich auf keiner Bundesgartenschau mehr in dieser Form eine Rolle spielen. Und drittens freue ich mich einfach darauf, mit all unseren Akteur*innen und Partner*innen jetzt eineinhalb Jahre zu arbeiten, was das Zeug hält. Und dann mit diesem Rauschen, das wir erzeugen, auf die unfassbare Menge von wahrscheinlich 2,1 Millionen Menschen zu treffen. Ein Publikum von solcher Größe haben nicht einmal die großen Festspielintendanten.

Zum Abschluss noch eine BUGA-Frage im engeren Sinn: Hast du selbst einen besonderen Bezug zur Natur?
Also ich bin ein absoluter Waldfreak. Wenn ich in meiner Freizeit unterwegs bin, dann streune ich üblicherweise durch den Wald. Außerdem habe ich einen Garten. Der grenzt nicht an ein Haus an, sondern ist ein Stückchen Grünland außerhalb. Dort stehen zum Beispiel Nussbäume und ich habe erfolgreich einen Marillenbaum herangezogen. Den Garten belasse ich sehr naturnah. Er ist für mich ein Ort, der meinen Naturbezug ganz gut auf den Punkt bringt: sehr unkultiviert, mit vielen Freiräumen, aber doch mit einem Blick dafür, dass der Mensch darin eine Rolle spielen darf. ‹

Bundesgartenschau Mannheim 2023
Luisenpark und Spinelli Mannheim
14. April bis 8. Oktober 2023
buga23.de
Bildnachweis:
Daniel Lukac (U-Halle)

BUGA 23

Die Bundesgartenschau Mannheim, kurz BUGA 23, hat ein klares Ziel: Sie will die nachhaltigste BUGA aller Zeiten werden. Neben attraktiven Blumenschauen und Gartenlandschaften stehen Umwelt- und Klimaschutz, ressourcenschonende Energiegewinnung und nachhaltige Nahrungsmittelsicherung im Fokus der Ausstellungen und Events. Die BUGA 23 möchte Lösungen aufzeigen und schafft Raum zum Experimentieren und Forschen. Das Veranstaltungsprogramm „Lebenskunst“ wird zusammen mit der regionale Kunstszene gestaltet und widmet sich ebenfalls den Kernthemen.
AdresseSpinelliplatz 4 // Gebäude 1585 // 68259 Mannheim

Telefon: 0621 293-2023
E-Mail: buga2023@mannheim.de
Öffnungszeiten14. April - 08. Oktober 2023
SpielorteSpinelli-Park, Luisenpark
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    BUGA 23 Plattform: Die BUGA 23 möchte mehr sein als eine Blumenschau und Akzente im Bereich Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung setzen. Im Rahmen der Reihe „Plattform“ stellt die BUGA 23 einmal im Monat ihre Leitthemen Klima, Umwelt, Energie und Nahrungsmittelsicherung vor und lädt Expert*innen ein. Am 28. Oktober präsentiert ­Fabian Burstein das Kulturkonzept „Lebenskunst“, das eng mit den Leitthemen verzahnt ist.
    28.10.2021, 18 Uhr, Online- und Präsenzveranstaltung, buga23.de
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