Kunstverein Ludwigshafen

Die Stadt als Baustelle

Die Ludwigshafener Hochstraße steht wieder, zumindest kurzzeitig und in kleinerem Maßstab — als Ausstellungsarchitektur im Kunstverein Ludwigshafen. „Urbanität in Bearbeitung“ lautet der Titel der dortigen Gruppenausstellung. „Mit der Schau wollen wir uns der Architektur der Stadt annehmen und Bruchstellen sichtbar machen, die derzeit heiß diskutiert werden, wie die Baustelle am Berliner Platz, der Abriss des Rathauscenters oder der Hochstraße“, erklärt Direktorin Jana Franze. Mit „Urbanität in Bearbeitung“ eröffnet sie ihre erste Schau als Leiterin. Kuratiert hat sie ihre Vorgängerin Barbara Auer gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Gabriele Rasch.

Frisch von der Großbaustelle

Neben dem Hochstraßenmodell kommen auch mehr als 100 Türen aus dem Rathauscenter sowie diverse andere Materialien der städtischen Großbaustellen zum Einsatz. „In Bearbeitung trifft auf das ganze Projekt zu, es ist im Laufe der zweijährigen Vorbereitung immer vielfältiger und größer geworden“, berichtet Franze. Kein Wunder, ist das Thema doch sowohl in historischer Perspektive als auch mit Blick auf die Zukunft sehr ergiebig.

Die Stadtplanung, die der Chemiestadt in den 1970er-Jahren ihr Gesicht verlieh, war durchaus visionär. Damals zählte Ludwigshafen zu einer der reichsten Städte Deutschlands — und verschrieb sich, wie auch Hannover, Kassel oder Köln, der Idee einer autogerechten Stadt. Die futuristisch anmutenden Hochstraßen beherrschen bis heute das Stadtbild. „Auch wenn diese Bauten heute nicht mehr zeitgemäß sind, haben sie doch den Charakter der Stadt geprägt“, erklärt Franze.

Ästhetische und soziale Fragen

Im Vorfeld haben sich Studierende der TU Berlin unter Leitung des Architekten und gebürtigen Ludwigshafeners Daniel Korwan Nutzungskonzepte als Alternative zum Abriss überlegt. Die Ausstellung versteht sich als interdisziplinäres Projekt, das aus unterschiedlichen Perspektiven die städtebauliche Umbruchsituation untersucht und die damit verbun-
denen ästhetischen und sozialen Fragen thematisiert. „Dabei geht es uns nicht darum, die Diskussion weiter anzufachen, sondern einen Raum für Wünsche und Ideen zu bieten“, betont Franze.

In der Ausstellung sind neben den Architektur-Modellen der Studierenden fünf Positionen zeitgenössischer Kunst zu entdecken: Katja von Puttkamer (Malerei), Sandra Köstler (Fotografie, Bild oben), Stephan Backes (Video), Knut Eckstein (Installation) und Ina Weber (Skulptur) nähern sich in ihren zum Großteil für die Schau geschaffenen Arbeiten der Thematik. Parallel zur Ausstellung findet das Programm WERTstadt statt: Events, Performances und Workshops im öffentlichen Raum laden alle Ludwigshafener*innen ein, über die eigene Stadt und die Nutzung des Stadtraums nachzudenken.


Urbanität in Bearbeitung
bis 21.11.2021
kunstverein-ludwigshafen.de

Kunstverein Ludwigshafen – Raum für zeitgenössische Kunst

Der Kunstverein Ludwigshafen wurde 1928 gegründet und zählt zu den ältesten Kunstvereinen in Rheinland-Pfalz. Die Aktivitäten des Kunstvereins bestehen in der Präsentation und Vermittlung junger zeitgenössischer Kunst. Neben aktuellen Positionen in Malerei und Skulptur bildet die künstlerische Fotografie einen besonderen Schwerpunkt des Ausstellungsprogramms. Raumbezogene Installationen in der 500 qm großen Ausstellungshalle im Bürgermeister-Ludwig-Reichert-Haus sind ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Programms, das mit regionalen, überregionalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern ein breites Spektrum künstlerischer Positionen umfasst.
AdresseKunstverein Ludwigshafen am Rhein e.V. // Bismarckstraße 44-48 // Bürgermeister Ludwig-Reichert-Haus (Hintergebäude) // 67059 Ludwigshafen // Tel: 0621 528055 // info[at]kunstverein-ludwigshafen[dot]de
ÖffnungszeitenDienstag bis Freitag 12-18 Uhr // Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11-18 Uhr
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