Schlösser und Gärten Hessen

Das große Leuchten

› Besinnliche Lieder, Kerzen, Lichterketten — wenn Weihnachten näher rückt, ist es im südhessischen Städtchen Erbach besonders festlich. Vor dem Schloss ragt einer der größten Weihnachtsbäume Deutschlands in den Himmel. Um ihn herum gruppieren sich zahlreiche Stände. Die Erbacher Schlossweihnacht ist etwas Besonderes. Und mit dem Besuch des Schöllenbacher Altars in der Hubertus-Kapelle auf Schloss Erbach kann man sich auch kulturell auf das Christfest einstimmen. Im Zentrum des monumentalen Flügelaltars, eines der schönsten spätgotischen Werke kirchlicher Kunst im Mittelrheingebiet, findet sich die „Wurzel Jesse“. Mit dem Sinnbild des Stammbaums Christi spannt sich ein wunderbarer Bogen in die Adventszeit.

Schwebende Exponate
Erbach leuchtet — nicht nur rund um den Weihnachtsmarkt vor dem Schloss, sondern auch in den Gemächern der Barockresidenz. Dort befindet sich das Museum für Elfenbeinkunst, in dem die edlen Exponate auf besondere Weise präsentiert werden. Vor zwei Jahren wurde das Museum neu eröffnet — eine Herausforderung in den kleinen Räumen. Doch den beiden Architekten Peter Sichau und Hartmut Walter gelang eine beeindruckende Lösung: Ein 90 Meter langer Steg führt an den leuchtenden Vitrinen vorbei. Der Raum, der sie umgibt, verschwindet im Dunklen, sodass die Exponate zu schweben scheinen. „Das bringt das weiße Gold zum Strahlen“, schwärmt Edda Behringer, die Geschäftsführerin der Betriebsgesellschaft Schloss Erbach.

Elfenbeinkunst hat in Erbach eine lange Geschichte. Die ersten filigranen Schnitzereien — am bekanntesten ist die Erbacher Rose — entstanden vor mehr als 200 Jahren. Der weitgereiste Graf Franz I., ein fortschrittlicher Monarch, war es, der seinen Untertanen das Handwerk näherbrachte. In Wien und Italien hatte er die Kunst der Elfenbeinverarbeitung kennengelernt und machte sie im Odenwald heimisch. Er legte damit den Grundstein für eine aufblühende Industriekultur, die bis heute eine wichtige Einnahmequelle und ein identitätsstiftendes Moment für die Stadt und die gesamte Region darstellt.

„Exquisit und atemberaubend
Daran erinnert das größte Spezialmuseum für Elfenbeinkunst. Der Besuch ist ein visuelles Erlebnis. Das Konzept der Licht Kunst Licht AG hat auch internationale Experten überzeugt. Sie haben die Erbacher mit zahlreichen Preisen bedacht. „Exquisit und atemberaubend“, lobt etwa die New Yorker Jury, die dem Museum den AL Light & Architecture Design Award verliehen hat. Nicht die einzige Auszeichnung: In Stra bei Venedig erhielt das Lichtkonzept den Codega International Lighting Design Prize. In London kam der darc award hinzu und in Chicago der IALD, der International Lighting Design Award.

Das Museum bietet allerdings noch mehr als diese einmalige Präsentation. In der Museumswerkstatt können Interessierte den Elfenbeinschnitzern von heute über die Schulter schauen. Sie respektieren den Tierschutz und verarbeiten ausschließlich alternative Materialien wie Taguanuss, Beinknochen und fossiles Mammut-Elfenbein. Die erlesenen Schmuckstücke, die hier entstehen, sind im Museumsshop erhältlich.

Winterreise nach Erbach
Ein weiteres Highlight in der dunklen Jahreszeit ist das Event „Nachts im Schloss“. Bei dieser Führung lässt sich die Sammlung der Grafen zu Erbach-Erbach anders als bei Tageslicht wahrnehmen. Die Schatten an den Wänden der Säle und Salons verschmelzen mit den Kunstwerken und dem altehrwürdigen Mobiliar. Manches kostbare Detail, das zu den üblichen Öffnungszeiten verborgen bleibt, blitzt im Lichtstrahl. Zu entdecken gibt es antike Exponate sowie die natur-, jagd- und waffenkundliche Sammlung des Hauses. Dieses Konvolut geht auf Graf Franz I. zurück, der Teile der prächtigen Schlossräume eigens für seine Sammlungen umgestalten ließ. Bemerkenswert ist auch der Rittersaal, ein Beispiel frühester neogotischer Innenarchitektur in Deutschland. Schlossweihnacht, Nachtführungen und Elfenbeinmuseum zeigen — eine Winterreise nach Erbach lohnt sich. ‹

Mehr Infos und alle Öffnungszeiten unter www.schloss-erbach.de

Erbacher Winter-Highlights

Deutsches Elfenbeinmuseum Deluxe
In einer exklusiven Führung außerhalb der Öffnungszeiten erläutern Experten das Konzept des Museums mit seinen einzigartigen Objekten. Im Anschluss besuchen die Teilnehmer die Museumswerkstatt, wo sie Informationen zur Verarbeitung von Mammutelfenbein und weiterer alternativer Materialien im Sinne des Artenschutzes erhalten.
17. November 2018, 16 bis 17.15 Uhr, Elfenbeinmuseum

Advent am Schöllenbacher Altar
„Es ist ein Ros‘ entsprungen …“, eines unserer schönsten Adventslieder, stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. In dieser Zeit entstand auch der Schöllenbacher Altar. Dessen zentrale Darstellung der Wurzel Jesse als Sinnbild des Stammbaumes Christi bringt das Liedthema bildhaft zur Anschauung. Eine Führung zur Adventszeit stimmt auf das Weihnachtsfest ein.
30. November, 7., 14. & 21. Dezember 2018, jeweils 18 bis 18.45 Uhr. Hubertus-Kapelle, Schloss Erbach

Nachts im Schloss
Wenn es Abend wird, lässt sich die geheimnisvolle Seite des Erbacher Schlosses erforschen. Die gräflichen Ahnen auf ihren Porträts scheinen in der nächtlichen Atmosphäre wieder zum Leben zu erwachen. Vergangenheit und Gegenwart des Schlosses verschmelzen.
01., 08. & 15. Dezember 2018, jeweils 18.15 bis 19.15 Uhr. Gräfliche Sammlungen Schloss Erbach

Die Führungen „Elfenbeinmuseum Deluxe“ und „Nachts im Schloss“ sind auch außerhalb der Zeiten für Gruppen buchbar. Mehr Infos unter www.schloss-erbach.de
Bildnachweis:
­Michael Leukel

Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

Das UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Lorsch ist das bedeutendste Bauwerk, das die Hessische Schlösserverwaltung in der Metropolregion Rhein-Neckar betreut. Sein Freilichtlabor Lauresham zieht wie auch der romantische Staatspark Fürstenlager in Bensheim-Auerbach Jung und Alt an. Außerdem gehören auch die Burgen Auerbacher Schloss und Hirschhorn zum Einzugsgebiet der Hessen sowie das Erbacher Schloss mit den gräflichen Sammlungen und dem Deutschen Elfenbeinmuseum. Ein weiteres Kleinod ist die Einhardsbasilika in Michelstadt-Steinbach, eines der letzten Beispiele authentisch erhaltener karolingischer Architektur.
AdresseStaatliche Schlösser und Gärten Hessen // Schloss // 61348 Bad Homburg v.d.Höhe // Telefon: 06172 9262-0 // E-Mail: info@schloesser.hessen.de
ÖffnungszeitenKloster Lorsch: Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr (an Feiertagen auch montags)
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