› Ein Paar im Auto, mit Sonnenbrillen, er legt lässig den Arm um ihre Schulter, während sie ebenso lässig an ihrer Zigarette zieht. Dazu drei Sätze: „I stole my sister’s boyfriend. It was all whirlwind, heat, and flash. Within a week we killed my parents and hit the road.“ Ein Plattencover, das Geschichte geschrieben hat, unzählige Male referenziert und reproduziert wurde — unter anderem als beliebtes T-Shirt-Motiv. Geschaffen hat es der Amerikaner Raymond Pettibon im Jahr 1990 für das Album „Goo“ der New Yorker Band Sonic Youth.Was es so ikonisch werden ließ, ist neben dem coolen Look sicher auch der Hauch von Düsternis, der das Cover umweht. Erzeugt wird dieser nicht nur durch die morbiden Textzeilen, sondern auch durch Pettibons Inspirationsquelle. Als Vorlage diente ihm ein Pressefoto, das im Zusammenhang mit den Moors Murders — einer Kindermordserie in den 1960er-Jahren in der Nähe von Manchester — veröffentlicht wurde. Es zeigt die Schwester und den Schwager der Mörderin Myra Hindley, die als Zeugen vor Gericht geladen waren. Pettibon löst das Bild aus seinem dokumentarischen Kontext und verwandelt es in seine ambivalent schillernde Zeichnung.Punk, Underground-Ästhetik und literarische Fragmentierung treffen hier auf Popkultur und Gegenkultur. Sein wohl berühmtestes Cover steht beispielhaft für Raymond Pettibons künstlerisches Schaffen. Der 1957 in Tucson, Arizona, geborene Künstler gilt als hintersinniger Chronist der Gegenwart. In seinem zeichnerischen Werk befragt er die prägenden Bildwelten und Narrative des 20. und 21. Jahrhunderts. Dabei schöpft er aus einer Vielzahl von Quellen — Literatur, Kunstgeschichte, Popkultur, Religion, Politik und Sport. Der „Summer of Love“ und Woodstock, Baseball und Surfkultur, Rassismus, Drogen, Doppelmoral sowie die Kriege in Vietnam und im Irak sind wiederkehrende Themen in Pettibons Werken. In seinen gleichermaßen von Comics wie von den Traditionen der Satire und Sozialkritik des 18. und 19. Jahrhunderts inspirierten Bildwelten verbinden sich Bild und Text zu poetischen und kritischen Kommentaren über den Zustand des American Dream.Pettibons Anfänge liegen in der Punkrockszene von Los Angeles der frühen 1980er-Jahre, als Bands wie Black Flag und Minutemen seine Zeichnungen für Plattencover und Flyer nutzten. Diese waren auch den Noise-Rockern von Sonic Youth längst ein Begriff, als sie Pettibon für ihr Cover engagierten. Auch seine eigenen musikalischen Projekte auf Vinyl zeigen seine enge Verbindung zur zeitgenössischen Musikszene — eine Zusammenarbeit, die sich bis heute durch sein Werk zieht.Mit mehr als 200 Exponaten — allesamt Leihgaben der Sammlung Stefan Thull — bildet die Ausstellung im Wilhelm-Hack-Museum erstmals diesen eigenständigen Strang seines Œuvres umfassend ab. Präsentiert werden Schallplatten in verschiedensten Formaten — LPs, Maxis und Singles — ebenso wie CDs, Musikkassetten und DVDs von 1979 bis heute. Ergänzt wird die Auswahl durch Flyer und Fanzines. ‹Kabinettstücke: Nervous Breakdown: Raymond Pettibon — Albumcover aus der Sammlung Stefan Thull
26. April bis 20. September 2026, Wilhelm-Hack-Museum
www.wilhelmhack.museum
26. April bis 20. September 2026, Wilhelm-Hack-Museum
www.wilhelmhack.museum
Bildnachweis:
©Raymond Pettibon, Sonic Youth, Goo, 12" vinyl, LP, David Geffen Company, Los Angeles, 1990, © Raymond Pettibon, Sammlung Stefan Thull, Foto: © Anne SchubertWilhelm-Hack-Museum
Wahrzeichen des Wilhelm-Hack-Museums ist seine Keramikfassade, die Joan Miró 1980 gestaltete. Heute gilt das Haus als das wichtigste Museum für die Kunst des 20. und 21.Jahrhunderts in Rheinland-Pfalz. Seine Schwerpunkte liegen auf der Klassischen Moderne, aber auch auf der konstruktiv-konkreten Kunst nach 1945. Profilierte Sonderausstellungen, Workshops und ein breit gefächertes Veranstaltungsprogramm machen das Museum zu einem kulturellen Zentrum von Ludwigshafen.
TerminSO 26. April bis SO 20. September 2026
AdresseWilhelm-Hack-Museum // Berliner Straße 23 // 67059 Ludwigshafen // Telefon 0621 5043045 // E-Mail: hackmuseum@ludwigshafen.de
ÖffnungszeitenDienstag, Mittwoch & Freitag 11–18 Uhr // Donnerstag 11–20 Uhr // Samstag, Sonntag & Feiertage 10–18 Uhr
